Politik : Tschernobyl: Reaktorstilllegung war Bedingung für EU-Wirtschaftshilfe an Ukraine

Die EU will die ukrainische Ankündigung zur Schließung des Atomkraftswerks Tschernobyl mit einer Beschleunigung von Hilfsprogrammen belohnen. Wie der Sprecher von EU-Außenkommissar Chris Patten am Dienstag erklärte, sollen von einer Geberkonferenz 1999 zugesagte Kredite in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar vorzeitig verfügbar gemacht werden. Nach einer Reform des Energiesektors könnten die Darlehen auch ausgeweitet werden, sagte der Sprecher.

EU-Kommissionspräsident Romano Prodi und Patten hatten die Zusage für eine Schließung Tschernobyls im Dezember am Montag als Durchbruch für die Beziehungen der Ukraine zur internationalen Gemeinschaft und zur Europäischen Union bezeichnet. In der Reaktion hieß es, die Kommission wolle weiterhin eine wichtige Rolle in internationalen Bemühungen spielen, den Aufbau alternativer Energien in der Ukraine zu finanzieren. Von der Schließung des Katastrophenreaktors hängt auch die Auszahlung einer EU-Hilfszahlung in Höhe von 92 Millionen Euro für wirtschaftliche Reformen ab.

Der ukrainische Präsident Leonid Kutschma hatte die Schließung des Atomreaktors am Montag während des Besuchs von Bill Clinton in Kiew bekannt gegeben. Clinton hatte die Bereitstellung von weiteren 78 Millionen Dollar für den Tschernobyl-Fonds zugesagt. Bei seinem Kurzbesuch hatte der US-Präsident dem Land auch weitere Hilfe zur Verbesserung der Sicherheit von vier anderen Anlagen zugesichert.

Im Gegensatz zum weltweiten Interesse an der angekündigten Schließung des Kraftwerks hat das Thema in den ukrainischen Zeitungen am Dienstag keine Beachtung gefunden. Auf keiner Titelseite der wichtigsten Zeitungen ist die Entscheidung vom Vortag zu finden, Tschernobyl zum 15. Dezember endgültig abzuschalten.

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