Politik : Tschetschenien: Streit um Empfang eines Ministers aus Grosny in Washington

Elke Windisch

Mit kaum zu überbietender Schärfe hat Moskau auf Meldungen reagiert, wonach der Außenminister von Tschetschenen-Präsident Maschadow, Iljas Achmadow, in Washington von einem hohen Beamten des State Departments empfangen worden ist. In einer am Dienstag von der halbamtlichen Nachrichtenagentur Itar Tass verbreiteten Erklärung des russischen Außenministeriums heißt es, Moskau betrachte dies als neuen unfreundlichen Akt gegenüber der russischen Regierung.

Die USA, so Außenamtssprecher Alexander Jakowenko, hätten damit gezeigt, auf wessen Seite sie im Kampf gegen den internationalen Terrorismus tatsächlich stünden. Moskau sei bekannt, dass Washington Informationen zu Tschetschenien aus erster Hand erhalten wolle, heißt es in der Erklärung weiter, schöpfe dazu aber "Terroristen ab, an deren Händen das Blut friedlicher Zivilisten klebt". Früher seien derartige Kontakte für Vertreter eines Rechtsstaates tabu gewesen. Nach der jüngsten Serie von Terroranschlägen im Nordkaukasus am letzten Samstag, bei der mehr als 20 Menschen getötet und 130 verletzt worden waren, müsse das Treffen jedoch zumindest als unmoralisch eingestuft werden.

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte zuvor berichtet, der Emissär der Separatisten sei von Bushs neuem Berater für Russland und die GUS-Staaten, John Barley, zu einem dreistündigen Gespräch empfangen worden. Dabei sei es vor allem um Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien und die Perspektiven von Verhandlungen mit der russischen Führung gegangen. Washington, berichtet die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf Quellen in der Moskauer US-Botschaft, habe Moskau nochmals gewarnt, der tschetschenische Konflikt könne nicht durch militärische Mittel, sondern allein durch politische Verhandlungen gelöst werden.

Russische Truppen waren am 1. Oktober 1999 in die nach Unabhängigkeit strebende Republik Tschetschenien einmarschiert. In der umkämpften Provinz sowie in Russland verübten tschetschenische Rebellen nach Darstellung Moskaus seitdem mehrfach Bombenanschläge.

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