Tuareg kontrollieren Norden Malis : Nachbarn verhängen nach Putsch Sanktionen

Schneller als erwartet haben am Wochenende Einheiten der arabischen Tuareg-Rebellen die historische Regionalhauptstadt Timbuktu im Nordosten von Mali eingenommen.

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Der Anführer des Coups in Mali, Amadou Haya Samogo (mitte), gerät immer mehr unter Druck. Die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas droht mit Sanktionen.
Der Anführer des Coups in Mali, Amadou Haya Samogo (mitte), gerät immer mehr unter Druck. Die westafrikanische...Foto: dapd

Zuvor hatten sie bereits innerhalb von nur drei Tagen die beiden strategisch wichtigen Regionalhauptstädte Kidal und Gao erobert und ihre Kontrolle auf den gesamten Norden ausgedehnt.

Augenzeugenberichten zufolge leistete die malische Armee keinerlei Widerstand gegen die Tuareg-Rebellen, die mit einer radikalen islamischen Miliz verbündet sind. Der praktisch kampflose Fall aller größeren Städte im Norden des Landes ist umso verblüffender, als eine Gruppe des Militärs von Mali vor zehn Tagen die Zivilregierung in Bamako mit dem ausdrücklichen Ziel gestürzt hatte, die Tuareg-Revolte militärisch niederzuschlagen. Im Nachhinein hat sich dies als Akt maßloser Selbstüberschätzung erwiesen. Vieles deutet nun darauf hin, das die Putschisten gerade durch ihren Staatsstreich und die dadurch bedingte Instabilität im Land die Rebellen zu einem schnelleren Vorrücken im Norden animiert haben – und ihnen die Lage nun vollkommen entglitten ist.

Verschärft wird die Situation dadurch, dass der Staatsstreich es der westafrikanischen Regionalgruppe Ecowas unmöglich macht, im Konflikt zugunsten der malischen Zentralregierung zu intervenieren, zumal die Putschisten ein Ecowas-Ultimatum zur Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Ordnung ergebnislos verstreichen ließen. Statt der eigentlich geplanten Unterstützung drohen dem neu installierten Militärregime in Mali nun wirtschaftliche Sanktionen seiner Nachbarn, darunter die Schließung der Grenzen, das Einfrieren von Vermögenswerten sowie die Einstellung des Interbankenhandels. Das würde es der Regierung in Bamako wegen ihrer Einbindung in die westafrikanische Währungsunion quasi unmöglich machen, die Gehälter der Staatsbeamten auszuzahlen. Mali teilt seine Währung mit sieben anderen westafrikanischen Ländern, die nun ihre Transferzahlungen an Malis Banken einstellen wollen. Daneben haben westliche Geberländer mit einer Finanzsperre gedroht.

Der dadurch ausgelöste Überlebenskampf der neuen Militärmachthaber in Bamako spielt direkt in die Hände der Tuareg und ihrer Verbündeten. Beobachter sind überzeugt, dass das bitterarme Binnenland ohne Verbindung zu seinen Nachbarn nicht lange überleben kann. Dies haben inzwischen offenbar auch die Putschisten verstanden. Unter dem Druck der angedrohten Sanktionen haben sie eine Kehrtwende vollzogen und mehrfach betont, die Macht im Rahmen einer neu angesetzten Wahl an eine Zivilregierung abzutreten. Allerdings wurde dafür kein Zeitrahmen genannt. Eigentlich sollte in Mali in diesem Monat eine Wahl stattfinden, bei der Staatschef Amadou Toumani Toure nach zwei Legislaturperioden nicht mehr antreten durfte.

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