Türkei : Aufregung in der Union um Erdogan

Politiker von CDU, CSU, SPD und Grünen haben eine mutmaßliche Auszeichnung für den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan in Deutschland heftig kritisiert – offenbar ohne konkreten Grund.

Ferda Ataman

BerlinErdogan den „Avicenna-Preis“ für interkulturelle Verständigung zu verleihen, sei ein „völlig falsches Signal“, wurde etwa CSU- Generalsekretär Alexander Dobrindt in der „Bild“-Zeitung zitiert. Die SPD-Abgeordnete Lale Akgün sowie Grünen-Politikerin Ekin Deligöz erklärten, der Politiker wirke nicht integrativ. Doch der Preis, den der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) im Mai übergeben soll, geht gar nicht an Erdogan.

Ausgezeichnet werden soll die „Allianz der Zivilisationen“, ein Dialogforum der Vereinten Nationen, das von Spaniens Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero und seinem türkischen Amtskollegen im Jahr 2004 vorgeschlagen wurde. „Erdogan ist bei der Preisverleihung gar nicht eingeplant“, sagt Yasar Bilgin, der Vorsitzende der Türkisch-Deutschen Gesundheitsstiftung in Gießen, die den Preis ins Leben gerufen hat. Bilgin könne sich überhaupt nicht erklären, wie die „Bild“-Zeitung darauf komme, dass Erdogan den Preis erhalte. Die kritischen Äußerungen der Politiker finde er daher unglücklich und „populistisch“. Die Debatte um die vermeintliche Auszeichnung für den türkischen Premier kommt zudem zu einem heiklen Zeitpunkt: Laut türkischen Medienberichten reist Erdogan am heutigen Samstag zur Geburtstagsfeier von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder nach Hannover.

Der Vorsitzende des Deutsch-Türkischen Forums in der CDU, Bülent Arslan, wundert sich, „dass alles, was mit der Türkei und Erdogan zu tun hat, zu so einer Aufregung führt“. Viele hätten wohl „ein emotionales Problem mit der Türkei und Erdogan“. Das gelte für seine Partei ebenso wie für die anderen. Tragisch an den Äußerungen zu Erdogan sei, dass „jede dieser Debatten zu einer weiteren Distanzierung eines Großteils der türkischen Community von Deutschland und der deutschen Politik führt“. 

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