Türkei : Babacan - Der Shooting Star der türkischen Regierung

Ali Bacaban wird als als Nachfolger von Abdullah Gül im Außenministerium gehandelt. Der Senkrechtstarter in der parlamentarischen Szene der Türkei war Verhandlungsführer bei den EU-Beitrittsgesprächen seines Landes.

Thomas Seibert[AFP]
Ali Babacan
Erfolgreicher Stratege: Ali Babacan. -Foto: ddp

AnkaraAli Babacan ist der Shooting Star der türkischen Regierung. Der 40-Jährige, der möglicherweise die Nachfolge von Abdullah Gül antritt, hatte schon zwei der wichtigsten politischen Ämter in der Türkei inne: Er war Wirtschaftsminister und Verhandlungsführer seines Landes bei den EU-Beitrittsgesprächen. Der aus der türkischen Hauptstadt stammende und in den USA ausgebildete Babacan gehörte 2001 zu den Gründungsmitgliedern von Erdogans konservativ-islamischer Regierungspartei AKP.

Nach dem Wahlsieg der AKP vor knapp viereinhalb Jahren wurde der 1967 geborene Betriebswirt auf Anhieb Wirtschaftsminister. Seine Ernennung war damals ein wichtiges Signal an Anleger und Märkte: Babacan war das moderne Gesicht einer Partei, die bei vielen Beobachtern in der Türkei und im Ausland wegen ihrer Wurzeln im politischen Islam misstrauisch beobachtet wurde. Babacans perfektes Englisch - bei Spitzenpolitikern in Ankara längst nicht die Regel - trug zu seinem Image als moderner Macher bei. Seine Frau Zeynep trägt zwar das islamische Kopftuch, gehört aber zu jener Riege der AKP-Politikergattinnen, die darauf achten, islamische Bekleidungsvorschriften mit modischem Schick zu verbinden.

Bekenntnis zum Kopftuch

Das Bekenntnis zum Kopftuch verbindet sie mit der Frau des neuen Präsidenten, Hayrünnisa Gül. Als Wirtschaftsminister ließ Babacan das vom Internationalen Währungsfonds nach der Wirtschaftskrise von 2001 durchgesetzte Reformprogramm unangetastet. Die Früchte waren ein starkes Wirtschaftswachstum, sinkende Inflation und Staatsverschuldung und eine spürbare Zunahme ausländischer Direktinvestitionen in der Türkei. Während es in der Wirtschaftspolitik zwischenzeitlich wie von selbst lief, galt Babacan durch das Amt des EU-Verhandlungsführers lange Zeit als überfordert. Der Jungstar hatte offensichtlich Mühe, sich auf dem Feld der Europapolitik gegen die AKP-Granden Erdogan und Gül zu behaupten.

Zwischenzeitlich war von Babacan europapolitisch so wenig zu sehen, dass er zum ersten Mal in seiner Karriere mit negativen Schlagzeilen über sich selbst konfrontiert wurde. Von der medialen Kritik sichtlich getroffen, entwickelte sich Babacan im vergangenen Jahres schließlich zu einem eifrigen Verkäufer der Marke Türkei in Europa. Fast unablässig bereiste er die EU-Staaten, um die Positionen seines Landes zu erläutern. Nachdem die EU die Türkei-Verhandlungen wegen der Zypern-Politik Ankaras im Dezember teilweise auf Eis gelegt hatte, wurde es wieder ruhiger um Babacan.

EU-Politik gehört nicht zu Wahlkampfthemen

Auch im Wahlkampf vor den Parlamentswahlen vom Juli war er kaum zu sehen - schließlich gehörte die EU-Politik nicht zu den großen Wahlkampfthemen; feurige Marktplatzreden liegen Babacan ohnehin nicht besonders. Doch als das Parlament am Dienstag den bisherigen Außenminister Abdullah Gül zum Staatspräsidenten wählte, saß Babacan wie selbstverständlich in der ersten Reihe der Regierungsbank im Plenum. Es sieht nicht danach aus, als wolle er diesen Platz so schnell wieder aufgeben.

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