Türkei contra Syrien : Ankara will Hilfe für Assads Gegner intensivieren

28.06.2012 00:00 Uhrvon und
Feuerpause. Kämpfer der „Freien Syrischen Armee“ vor wenigen Tagen in Aleppo im Norden des Landes. Foto: Khalil Hamra/dapd Foto: dapd
Feuerpause. Kämpfer der „Freien Syrischen Armee“ vor wenigen Tagen in Aleppo im Norden des Landes. Foto: Khalil Hamra/dapd - Foto: dapd

Der türkische Ministerpräsident Erdogan schickt mehr Panzer ins türkisch-syrische Grenzgebiet, auch britische Elitesoldaten sollen in der Region aktiv sein. Bei einem neuem Zwischenfall droht eine bewaffnete Konfrontation.

Nach der Androhung von Präventivschlägen gegen Syrien hat die türkische Armee damit begonnen, ihre Präsenz an der Grenze zum südlichen Nachbarn zu verstärken. Die türkische Presse meldete am Mittwoch, dass nach der Rede von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, in der er Syrien zum Feind der Türkei erklärte, zusätzliche Panzereinheiten verlegt worden seien. Allzu forsch dürfte die türkische Regierung laut Meinungsforschern aber nicht vorgehen: Die türkischen Wähler erwarten von Ankara zwar eine Reaktion auf den Abschuss des Militärflugzeugs durch Syrien, verspüren aber keine große Lust auf militärische Auseinandersetzungen.

Deshalb rückt die von Erdogan versprochene stärkere Unterstützung für die syrische Opposition immer mehr in den Vordergrund.

Bildergalerie: Syrien schießt türkischen Jet ab

Die neuen Einsatzregeln der türkischen Armee an der Grenze könnten beim nächsten Zwischenfall eine bewaffnete Konfrontation auslösen. Im April etwa hatten syrische Soldaten über die Grenze auf türkisches Gebiet geschossen. Damals erwiderten die türkischen Grenzsoldaten das Feuer nicht – bei einem ähnlichen Fall würde das jetzt anders sein.

Bei ihrer Demonstration der Entschlossenheit nach dem Abschuss des Militärjets am vergangenen Freitag kann die Regierung zwar prinzipiell auf die Unterstützung durch die Oppositionsparteien, einen Großteil der Medien und eine Mehrheit der Wähler rechnen. Aber einen Krieg mit Syrien werde in der Wählerschaft nicht befürwortet, sagte der Meinungsforscher Ibrahim Uslu der Zeitung „Aksam“. Mit seinen 20 Millionen Menschen werde Syrien von den meisten Bürgern des 75-Millionen-Landes Türkei einfach nicht als Bedrohung gesehen. Erdogan muss bei seinem erklärten Ziel einer Entmachtung des syrischen Präsidenten Baschar al Assad also vorsichtig vorgehen. Deshalb hoben türkische Kommentatoren die Aussage des Ministerpräsidenten hervor, wonach die Türkei die Opposition gegen Assad „auf jede Art und Weise“ unterstütze. Vize-Außenminister Naci Koru dementierte am Mittwoch erneut Berichte über Waffenlieferungen aus der Türkei an die syrische Opposition. Doch so ganz glaubt kein Beobachter in Ankara diesen Dementis.

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