Türkei : Freispruch für Schriftstellerin Shafak

Die türkische Autorin Elif Shafak ist vom Vorwurf der "Beleidigung des Türkentums" freigesprochen worden. Nach der Urteilsverkündung kam es zu Handgreiflichkeiten zwischen Nationalisten und Anhängern Shafaks.

Istanbul - Kurz nach Eröffnung des Verfahrens gegen Shafak entschied der Richter in Istanbul, es gebe keine Beweise für eine Straftat. Elif Shafak selbst, die nicht an der Verhandlung teilgenommen hatte, zeigte sich in einer ersten Reaktion erfreut über das Urteil. Allerdings mache ihr die "Lynch-Kultur" in der Türkei Sorgen, sagte sie im türkischen Nachrichtensender NTV in Anspielung auf die Schlägerei, bei der es mindestens eine Festnahme gab.

Auch der EU-Parlamentsabgeordnete Joost Lagendijk, der zur Beobachtung des Prozesses nach Istanbul gekommen war, begrüßte die Gerichtsentscheidung. Allerdings hoffe er, dass die türkische Regierung den Strafrechtsparagraphen 301, der bei Shafak und auch bei anderen Intellektuellen zur Anklage geführt hat, bald geändert werde.

Shafak war wegen "Beleidigung des Türkentums" angeklagt; Grund war eine Passage in ihrem jüngsten Buch, in der eine fiktive Romanfigur über den Völkermord der Türken an den Armeniern im Ersten Weltkrieg spricht. Bei einer Verurteilung hätten der Autorin drei Jahre Haft gedroht. (tso/AFP)

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