Türkei : Gezi-Park-Besetzer wollen bleiben

Das umstrittene Bauprojekt im Istanbuler Gezi-Park soll zeitweise ausgesetzt werden. Dennoch wollen die Demonstranten ihren Protest gegen die Politik von Ministerpräsident Erdogan fortsetzen.

Autowracks am Zugang zum Gezi-Park in Istanbul Foto: dpa
Autowracks am Zugang zum Gezi-Park in IstanbulFoto: dpa

Die Besetzer des Istanbuler Gezi-Parks wollen trotz des Einlenkens des türkischen Regierungschefs Recep Tayyip Erdogan ihre Proteste fortsetzen. „Wir werden unseren Widerstand angesichts der Ungerechtigkeiten in unserem Land fortführen“, erklärte das Protestbündnis Taksim-Solidarität am Samstag nach nächtlichen Beratungen. „Heute sind wir noch stärker, besser organisiert und optimistischer als vor 18 Tagen“ zu Beginn der Proteste, hieß es in einer im Internet veröffentlichten Mitteilung.

Vertreter des Bündnisses hatten sich am Donnerstagabend mit Erdogan in dessen Residenz in der Hauptstadt Ankara getroffen. Anschließend erklärte die Regierung, das Bauprojekt im Gezi-Park bis zu einem Gerichtsurteil auszusetzen und anschließend die Bürger Istanbuls dazu in einer Volksabstimmung zu befragen. Am Freitag rief Erdogan die Demonstranten, die seit gut zwei Wochen den Park im Zentrum Istanbuls aus Protest gegen die geplante Wiedererrichtung einer osmanischen Militärkaserne besetzt halten, auf, das Gelände binnen weniger Stunden zu räumen.

Proteste in der Türkei
Die Proteste um den Gezi-Park in Istanbul jähren sich am 28. Mai 2014 zum ersten Mal. Sehen Sie hier Eindrücke aus der Anfangszeit der monatelangen Proteste und den gewaltsamen Reaktionen der Polizei. 22. Juni 2014: Am Samstagabend haben die Demonstranten auf dem Taksim-Patz die Sicherheitskräfte in Kampfmontur mit roten Nelken beworfen. Die Polizei antwortete mit Wasserwerfern. Foto: ReutersWeitere Bilder anzeigen
1 von 67Foto: Reuters
22.06.2013 21:21Die Proteste um den Gezi-Park in Istanbul jähren sich am 28. Mai 2014 zum ersten Mal. Sehen Sie hier Eindrücke aus der Anfangszeit...

Die Pläne für eine Bebauung des Parks nahe dem Taksim-Platz waren Auslöser der Proteste. Angesichts des harten Vorgehens der Polizei und der unnachgiebigen Haltung der Regierung weiteten sie sich aber rasch auf andere Städte aus. Inzwischen richten sie sich allgemein gegen Erdogan, dem die Demonstranten einen autoritären Regierungsstil und die Missachtung abweichender Meinungen vorwerfen. Die vorwiegend jungen und säkular gesinnten Protestteilnehmer verdächtigen ihn zudem, die schleichende Islamisierung der Gesellschaft zu befördern. (afp)

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