Türkei : Kurdische Terroristen nehmen drei deutsche Geiseln

Im Osten der Türkei sind drei deutsche Bergsteiger entführt worden. Hinter der Geiselnahme steckt vermutlich die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK. Die Geiseln wurden offenbar bei einem Überfall auf eine Reisegruppe aus Bayern genommen.

Ankara/BerlinDrei Deutsche sind im Osten der Türkei offenbar von Rebellen der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) entführt worden. Die drei Bundesbürger gehörten zu einer 13-köpfigen Gruppe, die den unter Bergsteigern beliebten biblischen Berg Ararat erklimmen wollte, sagte der Gouverneur der Provinz Agri der Nachrichtenagentur Anadolu. Nach Angaben des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU) stammen die Entführten aus Bayern. Sie seien mit einer Reisegruppe unterwegs gewesen, erklärte Herrmann.

Gouverneur Mehmet Cetin zufolge stürmten fünf PKK-Rebellen in das Lager, das die Bergsteiger in 3200 Metern Höhe aufgeschlagen hatten. Die drei Deutschen seien aus Protest gegen Razzien der deutschen Bundesregierung gegen PKK-nahe Einrichtungen und deren Anhänger in Deutschland verschleppt worden. Während die weiteren Bergsteiger in Sicherheit gebraucht worden seien, suchten Paramilitärs nach den Enführten, sagte Cetin. Die PKK habe erklärt, sie wolle die Bergsteiger in den kommenden Tagen wieder freilassen, sagte der Gouverneur weiter. Er hatte zuvor mit den zehn anderen Mitglieder der deutschen Reisegruppe gesprochen, die am Mittwochnachmittag in die Stadt Dogubayazit zurückgekehrt waren.

Türkische Gemeinde: Keine Verhandlungen

Sollte sich eine Entführung durch PKK-Rebellen bestätigen, sollten nach Auffassung der Türkischen Gemeinde in Deutschland keine Verhandlungen mit den Entführern geführt werden. "Das ist eine terroristische Organisation. Und mit Terroristen verhandelt man nicht", sagte der Vorsitzende Kenan Kolat dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Auch eine direkte Kontaktaufnahme deutscher Behörden zu den Geiselnehmern lehnte er ab. Dies sei Sache des türkischen Staates. Er selbst werde sich in die Bemühungen zur Geiselbefreiung einschalten, sagte Kolat.

Anders als die bayerische Staatsregierung hatte das Auswärtige Amt in Berlin zunächst nicht bestätigen wollen, dass Deutsche in der Türkei entführt wurden. Der Krisenstab des Ministeriums und die deutsche Botschaft in Ankara bemühten sich derzeit "mit Hochdruck" darum, ein "präzises Bild" der Geschehnisse zu bekommen, sagte ein Sprecher in Berlin.

Keine Stellungnahme des Auswärtiges Amts

Die deutsche Botschaft in Ankara stehe in "engem Kontakt" mit den türkischen Behörden, sagte der Außenamtssprecher weiter. "Im Sinne des Wohls der Betroffenen" sollten zunächst keine weiteren Angaben gemacht werden. Von der PKK lag zunächst keine Stellungnahme vor. Die Kurdenrebellen hatten besonders in den 90er Jahren im Kampf gegen die türkische Armee mehrmals Ausländer in Ostanatolien entführt. Die PKK kämpft seit 1984 für eine Autonomie des von Kurden bewohnten Ostens und Südostens der Türkei. Von Ankara, Brüssel und Washington wird sie als terroristische Vereinigung eingestuft.

Der Berg Ararat liegt nahe der Grenze zum Iran und zu Armenien und ist mit mehr als 5100 Metern der höchste Berg der Türkei. Einer Überlieferung zufolge soll die Arche Noah auf dem Ararat gestrandet sein. (küs/AFP/dpa)

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