Türkei nach dem Referendum : Razzia bei oppositionellem Online-Medium

Seit Monaten geht Erdogan gegen kritische Journalisten vor. Nun trifft es die linke Onlineseite "Sendika.org". Sie habe den Ausgang des Referendums nicht anerkannt, hieß es.

Der festgenommene Chefredakteur von Sendika.org, Ali Ergin Demirhan (Screenshot).
Der festgenommene Chefredakteur von Sendika.org, Ali Ergin Demirhan (Screenshot).Foto: Screenshot / Sendika.org

Die türkische Polizei hat nach dem umstrittenen Referendum das Büro des oppositionellen Online-Mediums sendika.org durchsucht und dessen Chefredakteur festgenommen. Ali Ergin Demirhan werde unter anderem vorgeworfen, das Ergebnis des Referendums über ein Präsidialsystem nicht anzuerkennen, teilte das von linken Aktivisten betriebene Medium mit. Weitere Vorwürfe seien Volksverhetzung sowie der Aufruf über Soziale Medien zum Protest. Bei der Durchsuchung des Büros in Istanbul habe die Polizei Demirhans Computer und Mobiltelefon beschlagnahmt.

Die Website war am Donnerstag von der Türkei aus nicht mehr erreichbar. Beim Abruf der Seite erschien die Information, dass diese per Gerichtsentscheidung als „Schutzmaßnahme“ geschlossen wurde. Nach Angaben eines freien Mitarbeiters sperren die Behörden die Seite immer wieder, die dann in der Regel unter einer neuen Adresse erneut online geht. Aus Deutschland war die Seite weiter abrufbar.

Nach vorläufigen Wahlergebnissen stimmten am Sonntag 51,4 Prozent der Türken für die Einführung eines Präsidialsystems, das Erdogan deutlich mehr Macht verleihen würde. Die Opposition und Wahlbeobachter der OSZE werfen dem „Ja“-Lager Wahlbetrug vor. (dpa)

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