Türkei : Regierung entschuldigt sich nach Folter-Skandal

Nach dem mutmaßlichen Foltertod eines Oppositionellen, der in Untersuchungshaft saß, hat sich die Regierung entschuldigt. Der Justizminister erntete Lob von der Presse. Jedoch soll das betraute Gericht das Verfahren zur "Geheimsache" erklärt haben.

IstanbulDie türkische Presse hat die öffentliche Entschuldigung der Regierung für den mutmaßlichen Foltertod eines Untersuchungshäftlings als historische Geste begrüßt. Zum ersten Mal habe sich der türkische Staat für Folter entschuldigt, kommentierte die Zeitung "Radikal" am Mittwoch. Auch andere Blätter lobten die Entscheidung von Justizminister Mehmet Ali Sahin, der mit der Entschuldigung auf den Tod des Untersuchungshäftlings Engin Ceber in einem Istanbuler Gefängnis reagiert hatte. Sahin zufolge haben erste Untersuchungen von Sonderermittlern deutliche Hinweise darauf ergeben, dass Ceber gefoltert wurde.

Engin Ceber war Ende September in Istanbul zusammen mit anderen Aktivisten der linksgerichteten Zeitschrift "Yürüyüs" (Der Marsch) festgenommen worden. Nach Angaben von Anwälten wurden die Festgenommenen zunächst auf der Polizeiwache und später im Untersuchungsgefängnis immer wieder geschlagen. Vergangene Woche wurde Ceber mit schweren Hirnblutungen in ein Krankenhaus eingeliefert, wo er am Freitag starb.

Minister Sahin hatte am Dienstag 19 Justizvollzugsbeamte vom Dienst suspendiert und angekündigt, den Tod Cebers ohne Ansehen der Personen vollständig aufzuklären. Zudem rief Sahin den Vater des Opfers, Ali Ceber, an und sprach ihm sein Mitgefühl aus. Zugleich tauchten aber neue Zweifel am Willen der Behörden auf, den Foltervorwürfen in transparenter und nachvollziehbarer Weise auf den Grund zu gehen. Die Zeitung "Milliyet" berichtete, das mit der Aufklärung des Falles betraute Gericht in Istanbul habe das Verfahren zur "Geheimsache" erklärt, weshalb die Anwälte des Opfers Prozessakten nicht einsehen könnten. (ae/AFP)

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