Politik : Türkei sieht wachsende Terrorgefahr

Susanne Güsten

Istanbul - In der Türkei wächst nach Einschätzung der Behörden die Gefahr schwerer Terroranschläge. Die Istanbuler Polizei erhöhte die Alarmbereitschaft am Flughafen der Metropole und begründete dies mit Hinweisen darauf, dass radikale Gruppen versuchen könnten, vor dem Beginn der türkischen Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union am 3. Oktober zuzuschlagen. In westlichen Sicherheitskreisen wurde diese Lageeinschätzung bestätigt. Insbesondere der Zerfallsprozess in der kurdischen Rebellengruppe PKK macht den Sicherheitsbehörden Sorgen.

Es gebe Gruppen im Land, die den EU-Beitritt der Türkei verhindern wollten, sagte der Istanbuler Vizegouverneur Vedat Müftüoglu. Anfang der Woche hatte die Polizei drei mutmaßliche PKK-Mitglieder festgenommen, die in Istanbul Anschläge vorbereitet haben sollen. So sei zum Beispiel geplant gewesen, in der Istanbuler Altstadt eine 108 Kilogramm schwere Bombe zu zünden.

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sagte in einem Fernsehinterview, die PKK wolle den EU-Prozess der Türkei stören. In den vergangenen Tagen gab es in der Türkei bereits mehrere Zusammenstöße zwischen kurdischen Demonstranten und der Polizei.

Die PKK hatte im August eine einmonatige Waffenruhe ausgerufen, die sich jedoch als äußerst brüchig erweist. Selbst ranghohe Kommandeure der Rebellen räumen ein, dass kleinere Gruppen die Hauptorganisation verlassen haben und auf eigene Rechnung Anschläge verüben. Gewaltaktionen dieser Gruppen könnten bisher nicht gekannte Dimensionen erreichen, wie an den Plänen für die Istanbuler Bombe zu sehen sei, hieß es bei westlichen Experten. Rücksicht auf Zivilisten sei dabei nicht zu erwarten.

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