Türkei : Volk in Wut - Regierung fürchtet PKK-Falle

Nach den Angriffen der PKK hat ein Einmarsch im Nordirak in der Türkei nicht nur Befürworter - viele sehen sich bereits in einen erbitterten Stellungskrieg verwickelt, der am Ende noch Nato-Partner USA gegen Ankara aufbringen könnte.

Carsten Hoffmann[dpa]
Türkei Foto: AFP
Empört: Das Volk in der Türkei geht gegen die PKK auf die Straße. -Foto: AFP

IstanbulDie tödlichen Angriffe kurdischer Rebellen haben in der Türkei einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Gerade Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und Staatspräsident Abdullah Gül von der AKP, die sich zuletzt auf Konfrontationskurs mit dem Militär befanden, versprechen ihrem Volk nun ein entschlossenes Vorgehen der Armee. Die Soldaten sollten sich für einen größeren Vorstoß auch über die Grenzen des eigenen Staates hinaus in die Rückzugsgebiete der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei (PKK) im Nordirak bereithalten. Diesen hatte das türkische Parlament in der vergangenen Woche erlaubt.
        
Andererseits mahnt die türkische Staatsspitze auch einen kühlen Kopf an. Denn die Türkei fürchtet, mit einer Nordirak-Offensive in eine strategische Falle zu geraten, die die PKK aufgebaut hat. Mit Provokationen wolle die PKK die Türkei dazu verleiten, in den Nordirak einzumarschieren, warnen türkische Kommentatoren. Dann drohe den Türken die Konfrontation mit dem Nato-Partner USA und der kurdischen Autonomieverwaltung.

Keine kurdische Katze wird ausgeliefert

Das irakische Staatsoberhaupt Dschalal Talabani - ein Kurde - und Kurdenpräsident Massud Barsani bekräftigten nach den Kämpfen vom Wochenende ihren Ruf nach einer diplomatischen Lösung des Konflikts der Türkei mit der PKK. Kein kurdischer Mann, "nicht mal eine kurdische Katze", werde an die Türkei ausgeliefert, sagte Talabani.

Zuvor hatten Kurdenführer angekündigt, auch Einheiten der irakischen Kurden würden sich der türkischen Armee zum Kampf stellen, sollten Soldaten bei einer Strafexpedition gegen die PKK die Grenze zum Irak überqueren. Türkische Geschäftsleute sehen schon ihre Felle im Nordirak wegschwimmen. Geschäfte im Umfang von jährlich rund drei Milliarden US-Dollar (2,1 Milliarden Euro) seien gefährdet.

USA spielen auf Zeit

Die US-Regierung hat Ankara erneut zu Zurückhaltung aufgefordert. US-Außenministerin Condoleezza Rice habe gebeten, mit Einsätzen zu warten und den USA einige Tage Zeit zu geben, sagte Erdogan. Für den 5. November ist ein Treffen Erdogans mit US-Präsident George W. Bush in den USA geplant.

Wie ein Militäreinsatz aussehen könnte, haben türkische Zeitungen in den vergangenen Tagen skizziert. Danach könnte die türkische Luftwaffe Lager der PKK in den Kandil-Bergen bombardieren, wo sich nach türkischen Angaben 3500 PKK-Milizionäre verschanzt haben sollen. Landstreitkräfte sollen zudem gegen einzelne PKK-Stützpunkte vorgehen.

Staatspräsident Gül bekräftigt die Bereitschaft seines Landes, die PKK zerschlagen zu wollen. Zwar respektiere die Türkei die territoriale Integrität des Irak, erklärte er nach einem nächtlichen Krisentreffen. Sein Land sei aber bereit, für den Schutz seiner Rechte und seiner Bürger jeden Preis zu zahlen. Und Ministerpräsident Erdogan sagte: "Was getan werden muss, wird getan."  

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