Türkei : Wieder Ermittlungen gegen Dink-Zeitschrift "Agos"

Einen Monat nach der Ermordung des armenisch-türkischen Journalisten Hrant Dink hat die Staatsanwaltschaft neue Ermittlungen gegen Dinks Zeitschrift "Agos" wegen angeblicher "Beleidigung des Türkentums" eingeleitet.

Istanbul - Der "Agos"-Kolumnist Aydin Engin erklärte, er habe bei der zuständigen Staatsanwaltschaft im Istanbuler Stadtteil Sisli eine Aussage machen müssen. Engin gehört zu rund einem Dutzend türkischer Intellektueller, die nach dem Mord an Dink vor einem Monat Polizeischutz erhielten, weil sie als potenzielle Opfer nationalistischer Anschläge gelten.

In den Ermittlungen gegen Engin geht es um einen "Agos"-Artikel, in dem der Autor am 5. Januar teilweise ironisch seine Vorsätze für das neue Jahr präsentierte. Engin schrieb, er werde nach Frankreich reisen, um dort demonstrativ zu sagen, dass es keinen türkischen Völkermord an den Armeniern gegeben habe - damit spielte Engin auf einen französisches Gesetzentwurf an, der die Leugnung dieses Völkermordes verbietet. Ebenso öffentlich werde er in der türkischen Hauptstadt Ankara erklären, dass es sehr wohl einen Völkermord gegeben habe. Die türkische Regierung erkennt die Verbrechen gegen die Armenier nicht als Völkermord an. Ob Anklage gegen ihn erhoben werde, stehe noch nicht fest, sagte Engin weiter. (tso/AFP)

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