Politik : Türkei will Soldaten stellen

Thomas Seibert

Istanbul - Die Türkei ist grundsätzlich bereit, sich an einer internationalen Schutztruppe zur Befriedung des Grenzgebiets zwischen Israel und dem Libanon zu beteiligen. „Wir werden dies sehr wohlwollend prüfen“, sagte der türkische Außenamtssprecher Namik Tan am Montag dem Tagesspiegel. Als einziger muslimischer Nato-Staat und einer der wenigen engen Verbündeten Israels in der islamischen Welt gilt die Türkei als prädestiniert für eine Führungsrolle in der anvisierten Friedenstruppe, die nach Berichten von US-Medien zwischen 10 000 und 20 000 Soldaten stark sein soll. Außenminister Abdullah Gül wird an diesem Mittwoch in Rom mit seiner US-Kollegin Condoleezza Rice sowie Vertretern verschiedener Nahost-Staaten über das Thema sprechen.

Die islamisch geprägte Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte ihr Nahost-Engagement in jüngster Zeit erheblich verstärkt. Erdogan telefonierte mehrmals mit US-Präsident George Bush sowie anderen Spitzenpolitikern und schickte einen engen Berater in die Region. Eine maßgebliche Beteiligung der Türkei an einer Libanon- Truppe wäre möglicherweise konsensfähiger als eine Führungsrolle anderer westlicher Staaten. Die wichtigsten Voraussetzungen für eine türkische Truppenbeteiligung sind ein Waffenstillstand und ein klares UN-Mandat, wie Regierungspolitiker unterstreichen. Die Zustimmung des Parlaments wäre nach der derzeitigen Stimmungslage kein Problem: Schließlich würde ein türkischer Einsatz im Libanon das internationale Renommee des Landes steigern.

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