Türkisch-Kurdischer Konflikt : Ankara will Truppen in den Nordirak schicken

Offenbar verdichten sich die Anzeichen, dass die türkische Armee die kurdische PKK auch auf irakischem Boden bekämpfen will. Die nordirakische Regionalregierung ist alarmiert.

AnkaraDie kurdische Regierung im Nordirak hat die Türkei davor gewarnt, mit einem Militäreinsatz im Norden des Nachbarlandes gegen Rebellen der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) vorzugehen. "Ein Militäreinsatz kann nicht dabei helfen, die Frage der Sicherheit an unserer Grenze zu klären", sagte ein Sprecher der Regionalregierung. Es müsse andere Mittel geben, das Problem zu lösen, "das auch unseres ist".

Auch die Europäische Union hat die Türkei vor einem Militäreinsatz im Nordirak gewarnt. Ankara dürfe die Sicherheitsprobleme im Irak "nicht noch komplizierter machen", sagte der EU-Außenbeauftragte Javier Solana in Brüssel. Zuvor hatte auch die EU-Kommission den
Beitrittskandidaten Türkei aufgefordert, die "territoriale Integrität des Irak" nicht zu verletzen.
  
Die türkische Armee verlangt seit Monaten, die PKK-Guerilla auch auf irakischem Territorium verfolgen zu können. Die Regierung in Ankara wollte möglicherweise kurzfristig einen entsprechenden Antrag ins Parlament einbringen. Ankara verdächtigt die Kurden im Nordirak, die PKK zu unterstützen oder zumindest zu tolerieren. Die PKK kämpft seit fast drei Jahrzehnten für mehr Autonomie in den Kurdengebieten.

In der Türkei wird der Ruf nach einem Einmarsch in den Irak immer lauter, nachdem am vergangenen Wochende 13 türkische Soldaten bei einem PKK-Überfall getötet wurden. Der Parlamentsbeschluss steht noch aus, aber nach Presseberichten ziehen die türkischen Militärs bereits Panzer und Truppen an der irakischen Grenze zusammen. Einige Beobachter vermuten, dass dies nur Säbelrasseln sei, um die irakischen und amerikanischen Truppen im Irak zum Eingreifen gegen die PKK zu bewegen. Es könne sich aber eine gefährliche Eigendynamik entwickeln, so die Beobachter. (mit AFP/tsp)

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