Politik : Türkisch werden für Anfänger

Thomas Seibert

Istanbul - Für Ausländer ist es nicht einfach, türkischer Staatsbürger zu werden. Einige der Kriterien im Staatsbürgerschaftsrecht sind so vage gehalten, dass der Willkür Tür und Tor geöffnet wird. „Die Gesetze geben den Behörden viel Spielraum“, sagt der Vertrauensanwalt des deutschen Generalkonsulats in Istanbul, Mehmet Köksal.

Zwischen 1995 und 2001 erhielten nur 56 000 Antragsteller einen türkischen Pass – in Deutschland werden in einem einzigen Jahr mehr als doppelt so viele Menschen eingebürgert. Ein großer Teil der Neu-Türken sind ausländische Ehepartner türkischer Männer oder Frauen, die Gesamtzahl der 2003 und 2004 eingebürgerten Ehepartner lag bei knapp 1000.

Ein Ausländer, der Türke werden will, muss einen fünfjährigen legalen Aufenthalt im Land nachweisen. Während dieser Zeit darf er insgesamt nur sechs Monate außer Landes gewesen sein. Vorstrafen dürfen nicht vorliegen; der Antragsteller muss glaubhaft machen, dass er finanziell für sich sorgen kann. Mit einem Gesundheitszeugnis muss er beweisen, dass er nicht unter einer Erbkrankheit leidet oder eine schwere Krankheit ins Land bringt. Mit einer HIV-Infektion hat man kaum eine Chance, Türke zu werden.

Der potenzielle Neu-Türke muss ausreichende türkische Sprachkenntnisse haben – aber einen verbindlichen Sprachtest gibt es nicht: Der jeweilige Beamte entscheidet. Zudem muss man durch sein Verhalten zeigen, dass man wirklich in der Türkei leben möchte, wobei etwa der Besuch einer türkischen Schule als Beweis dienen kann. Ebenfalls nötig ist der Nachweis eines moralisch einwandfreien Lebenswandels; für diese Bescheinigung ist in den meisten Fällen der jeweilige Stadtteilbürgermeister zuständig.

Erleichterte Einbürgerungsbedingungen gelten für Kinder ehemaliger türkischer Staatsbürger sowie für Nachfahren von Türken. Die letzte Entscheidung über eine Einbürgerung liegt beim Kabinett.

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