Türkische Armee : Öffentlicher Ehekrieg ramponiert das Image der Generäle

Ein türkischer Ex-Admiral will sich von seiner Frau scheiden lassen, weil sie ihn betrogen haben soll. Daraufhin behauptet sie, ihr Noch-Ehemann habe geheime Militärdokumente verkauft. Für das türkische Militär ist der Rosenkrieg eine Demütigung.

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IstanbulScheidungsprozesse sind selten eine harmonische Angelegenheit. So ist es eigentlich kein Wunder, dass sich die Türkin Sunahanim Güven mit ihrem Noch-Ehemann Ilker streitet und dabei schwere Geschütze auffährt. Bemerkenswert ist aber, dass Herr Güven ein ehemaliger Admiral der türkischen Marine ist - und von seiner Frau öffentlich beschuldigt wird, geheime militärische Dokumente für viel Geld verkauft zu haben. Die schmutzige Wäsche der Güvens ist ein Zeichen für den desolaten Zustand der türkischen Armee: Das Ansehen der einst so stolzen Generäle ist durch Skandale und Putsch-Intrigen ramponiert.

Seit Tagen berichten die türkischen Zeitungen in großer Aufmachung über den Ehekrieg bei den Güvens. Der Ex-Admiral wirft seiner Frau vor, ihn betrogen zu haben, und will die Scheidung. Sunahanim wehrt sich mit Anschuldigungen gegen ihren Mann, die sofort Ermittlungen der Militärjustiz auslösten. Es geht um den Vorwurf, der Ex-Admiral habe bei seinem Ausscheiden aus dem Dienst vor sechs Jahren eines Tages einen schwarzen Koffer voller Dokumente mit nach Hause gebracht. Anschließend habe er die geheimen Aufzeichnungen aus seinem Hauptquartier an Unbekannte weitergegeben und monatlich 20.000 Dollar erhalten. Schon bei der Hochzeit habe Güven rund fünf Millionen Dollar in bar im Haus gehabt. Der Ex-Admiral weist die Vorwürfe zurück.

Der Ruf der Truppe leidet

Es geht nicht um irgendwelche Dokumente. Die Frau des Ex-Admirals sagte, sie sei bei der Übergabe einiger Papiere an die - namentlich von ihr nicht genannten - Käufer dabei gewesen: Es handele sich um Unterlagen, die später im Verfahren gegen die rechtsgerichtete Gruppe Ergenekon auftauchten. Die Istanbuler Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Nationalisten und Offiziere als Mitglieder von Ergenekon einen Putsch gegen die religiös-konservative Regierung von Premier Recep Tayyip Erdogan planten. Mehrere Dutzend Angeklagte, darunter einige Ex-Generäle, stehen deshalb vor Gericht. Weitere pensionierte und aktive Offiziere sitzen im Zusammenhang mit anderen mutmaßlichen Putschplänen in Untersuchungshaft und müssen ebenfalls mit langen Haftstrafen rechnen.

Abgesehen von der politischen Brisanz der Vorwürfe: Dass ein Mitglied der türkischen Generalität, die sich selbst als untadelige Führungskaste des Landes betrachtet, einen schmutzigen und öffentlichen Streit mit seiner Gattin liefert, ist eine Demütigung für die Militärs. Und sie ist nicht die einzige Schmach. Der noch vor wenigen Jahren blitzsaubere Ruf der Armee in der Öffentlichkeit hat gelitten.

Die Armee ist politisch auf dem Rückmarsch

Erst vergangene Woche enthüllte ein ziviler Staatsanwalt im türkischen Südosten, dass sieben Soldaten im vergangenen Jahr von einer Landmine der Armee getötet worden waren - der Generalstab hatte die Explosion seinerzeit den kurdischen PKK-Rebellen zugeschrieben und sogar Details über die Bewegungen der angeblichen PKK-Angreifer veröffentlicht. Die Staatsanwaltschaft war von Angehörigen der Opfer einschaltet worden: Im Internet kursierte der Mitschnitt eines Telefonats, in dem ein Offizier gestand, den Sprengsatz auf Befehl seiner Vorgesetzten selbst gelegt zu haben.

Solche Enthüllungen erschüttern das Vertrauen der Türken in die "Paschas", wie die hohen Generäle genannt werden. In Umfragen sind die Sympathiewerte für die Armee auf rund 65 Prozent gesunken. Für türkische Verhältnisse ist das ein Tiefstand, denn normalerweise liegen die Werte für die Armee bei 90 Prozent.

Auch politisch ist die Armee auf dem Rückmarsch. Mit Verfassungsänderungen, die von kommender Woche an im Parlament von Ankara beraten werden sollen, will die Erdogan-Regierung unter anderem die zivile Kontrolle über die Armee stärken. Erdogan geht es darum, Staatsstreiche der Generäle für die Zukunft auszuschließen, schließlich hat die Armee in den vergangenen 50 Jahren vier gewählte Regierungen aus dem Amt gedrängt. Vor fast genau drei Jahren drohte sie öffentlich mit einem Putsch gegen Erdogan selbst.

Derzeit sind die Generäle dagegen vor allem mit sich selbst beschäftigt. Vize-Premier Bülent Arinc spottete bereits, es sei ein Glück, dass die Türkei mit einer solchen Armee nicht in einen Krieg ziehen müsse.

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