Politik : Türkische Armee stößt in den Irak vor

Susanne Güsten

Istanbul - Die Spannungen im Grenzgebiet zwischen der Türkei und dem Irak nehmen zu. Die türkische Armee erklärte einige Landstriche entlang der 330 Kilometer langen Grenze zum Irak für die Dauer von drei Monaten zu „Sicherheitszonen“, in denen verstärkte Kontrollen stattfinden sollen und ein Überflugverbot gilt. Militärs und Regierung sprachen zwar von einer Routineangelegenheit, die nichts mit einem Einmarsch in den Irak zu tun habe, sondern den Kampf gegen die PKK-Kurdenrebellen auf türkischem Boden erleichtern solle. Der Truppenaufmarsch an der Grenze und Meldungen über erste Vorstöße türkischer Kommandoeinheiten nach Irak gaben Gerüchten über eine bevorstehende Intervention aber neuen Auftrieb.

Der Irak kündigte an, sich gegen einen türkischen Einmarsch zur Wehr zu setzen. Die türkische Armee fordert grünes Licht für die Intervention, um im Norden des Irak die Lager der PKK zerstören zu können. Für einen grenzüberschreitenden Militäreinsatz ist ein Beschluss des türkischen Parlaments notwendig.

Nach Berichten von der irakischen Seite der Grenze haben erste Vorstöße der türkischen Armee begonnen. So sollen türkische Kommandoeinheiten vorübergehend drei Kilometer tief auf irakisches Gebiet vorgedrungen sein. Zudem habe türkische Artillerie einige Dörfer auf der irakischen Seite unter Beschuss genommen; die Bewohner von fünf Ortschaften seien deshalb evakuiert worden, meldeten türkische Medien unter Berufung auf die nordirakischen Behörden.

Der irakische Staatspräsident Dschalal Talabani, selbst ein Kurde, traf sich am Donnerstag mit dem nordirakischen Regionalpräsidenten Massud Barsani. Beide Politiker warnten, eine türkische Intervention würde als Angriff auf die Souveränität des gesamten Irak gewertet. Der Irak werde sich verteidigen. Susanne Güsten

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