Politik : Türkische Offensive im Nordirak?

Ankara bereitet Militäraktion gegen Rückzugslager der PKK-Rebellen vor

Thomas Seibert[Istanbul]

Als Reaktion auf ungewöhnlich schwere Verluste ihrer Sicherheitskräfte im Kampf gegen die kurdischen PKK-Rebellen bereitet die Türkei eine Militärintervention im Norden Iraks vor, um dort gegen Rückzugslager der Kurdengruppe vorzugehen. Türkische Eliteverbände wurden bereits an die irakische Grenze verlegt, Transportmaschinen der Armee bringen tonnenweise Ausrüstungsgegenstände in die Region. Zur Begründung der Angriffsvorbereitungen verweist die türkische Regierung auf das Recht auf Selbstverteidigung – und auf die israelischen Militärschläge in Libanon.

Anlass für die Eskalation ist der Tod von mindestens 14 türkischen Soldaten, Polizisten und staatstreuen Milizionären bei Gefechten gegen die PKK in den vergangenen Tagen. Die Verluste setzen die Regierung unter starken innenpolitischen Druck: Die Zeitungen sind voll von Berichten über die Trauerfeiern für die „Märtyrer“, wie die gefallenen Soldaten genannt werden.

Seit 1999 halten sich mehrere tausend PKK-Kämpfer in Nordirak versteckt. Im vergangenen Jahr begannen sie wieder mit Angriffen in der Türkei, um eine Generalamnestie für alle PKK-Mitglieder durchzusetzen. Gesteuert werden die PKK-Aktionen von Lagern in den nordirakischen Bergen aus.

Nur konkrete Schritte der USA und der Iraker gegen die PKK in den nächsten Wochen könnten einen türkischen Einmarsch noch verhindern, erklärte Ankara. Die USA und die Behörden in Bagdad sind gegen eine türkische Intervention, weil sie eine weitere Destabilisierung Iraks befürchten. Eigene Militäraktionen gegen die PKK im Nordirak lehnen die USA bisher aber ebenfalls ab, weil sie dazu Truppen aus anderen Landesteilen abziehen müssten.

Ein türkischer Minister ließ sich am Dienstag mit den Worten zitieren, Ankara werde handeln, falls die amerikanischen Truppen in Irak in Sachen PKK weiter untätig bleiben sollten. „Und wenn es Einwände gibt, dann sagen wir: Es gibt auch andere Länder, die das tun.“ Auf die Frage, ob damit Israel gemeint sei, antwortete der Minister: „Das ist doch klar, oder?“

Unterdessen wurden im Nordirak bei einem Bombenanschlag auf die Polizei am Dienstag acht Menschen getötet, darunter sechs Polizisten. Drei weitere Menschen wurden in der Region von Kirkuk verletzt, als die Bombe nahe des Busbahnhofs von Hawija rund 50 Kilometer westlich von Kirkuk explodierte, verlautete aus Polizeikreisen. Der Anschlag richtete sich gegen eine Polizeipatrouille.

Mindestens fünf Iraker wurden bei Kämpfen mit britischen Soldaten in der südirakischen Stadt Basra getötet. 15 Iraker seien verletzt worden, als sich bewaffnete Gruppen und Briten im Zentrum der Stadt Gefechte lieferten, hieß es aus Sicherheitskreisen. Ein Sprecher der britischen Truppen bestätigte die Kämpfe, sagte aber zu möglichen Opfern lediglich, auf britischer Seite habe es keine gegeben. (mit AFP)

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