Politik : Türkischer Gesundheitsminister lehnt Auslandshilfe für Erdbebenopfer ab

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Eine Woche nach dem schweren Erdbeben im Nordwesten der Türkei sieht sich Gesundheitsminister Osman Durmus Rücktrittsforderungen wegen Unfähigkeit und abfälliger Bemerkungen über ausländische Helfer ausgesetzt. Durmus hatte nach Presseberichten unter anderem gesagt, ausländische Ärzte seien im Krisengebiet unwillkommen, weil sie "nicht zur türkischen Kultur passen". Zeitungen verlangten deshalb, der Minister müsse seinen Hut nehmen. Das lehnte der Minister jedoch ab. Die Hilfsbemühungen im Katastrophengebiet wurden unterdessen durch Regenfälle erschwert. Dennoch fanden die Helfer noch zwei Überlebende. Nach UN-Angaben rechnet die türkische Regierung offenbar mit viel mehr Todesopfern als die bisher gezählten rund 12 000: Ankara forderte bei den Vereinten Nationen 45 000 Leichensäcke an.

Durmus, Mitglied der rechtsradikalen Regierungspartei MHP, hatte in den ersten Tagen nach dem Erdbeben gesagt, die Türkei brauche keine Ärzte, Spenderblut, Medikamente oder Krankenwagen aus dem Ausland.

Nach Presseberichten spielte Durmus auch bei der Entscheidung eine Rolle, einem Rettungsteam aus Armenien die Einreise zu verweigern. In einem Fernsehinterview verspottete der Minister zudem italienische Ärzte, die sich über fehlende Toiletten in ihrem Einsatzgebiet beklagt hatten. Zu den Rücktrittsforderungen sagte Durmus am Montag, er habe niemals ausländische Hilfe pauschal abgelehnt.

Die deutschen Innenminister haben am Montag dementiert, dass es grundsätzliche Einreiseerleichterungen für türkische Erdbebenopfer geben solle. Nur in Einzelfällen, etwa beim Familiennachzug, könnten die Bestimmungen gelockert werden, hieß es zu entsprechenden Meldungen vom Vortag.

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