TUGENDWÄCHTER IM ZUG NACH TUNIS : TUGENDWÄCHTER IM ZUG NACH TUNIS

Frühe 90er Jahre, Flucht aus der Februarkälte nach Nordafrika. Freunde hatten uns gewarnt: „Die Leute da – sehr anhänglich. Penetrant.“ Am Strand, neben der Hotelanlage, ein toter Esel. In der Hotelanlage: Ameisentransitstrecke durch Zimmer und Bett. Im Ort: Kinder, die in Werkstätten Gipsfiguren produzieren. Dann lieber kein Strandurlaub – eine Exkursion, animiert vom nordafrikanische Erlebnishunger des Paul Bowles. Richtung Süden. Eine kleine Stadt, die von einem Zementwerk lebte. Alles hellgrau. Ende der Zuglinie. Im Sammeltaxi Richtung Rand der Sahara. Der Fahrer – ein rasender Anhänger Saddam Husseins. Die Landschaft: leer. Wenn sich draußen Plastiktüten und Plastikwasserflaschen massierten, kamen wir bald an ein paar Hütten vorbei. Die Sahara: groß. Einer fuhr mit einem Moped drin herum. Im Zug nach Tunis wurden wir nach einem Küsschen angerüpelt von einem Tugendwächter, der Arm in Arm mit dem Freund hinter uns saß. Ziemlich penetrant, diese Sittenwächter. Von Tunesien haben wir genug für ein Leben gesehen. Der Arabellion aber alles Gute! Werner van Bebber

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