Politik : Tumult nach Freisprüchen im Fall Jalloh

Dessau - Im Prozess um den Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh in einer Polizeizelle in Dessau sind die beiden angeklagten Beamten vom Landgericht freigesprochen worden. Die Urteilsverkündung musste am Montag wegen wütender Proteste von afrikanischstämmigen Zuschauern zeitweilig unterbrochen werden. Der aus Sierra Leone stammende Jalloh war im Januar 2005 bei einem Brand in der Polizeizelle ums Leben gekommen. „Trotz intensivster Bemühungen“ habe das Gericht nicht die Chance gehabt, den Fall aufzuklären, sagte der Vorsitzende Richter Manfred Steinhoff. Das Verfahren sei „gescheitert“. In ungewöhnlich harschen Worten machte Steinhoff die Polizei dafür verantwortlich. Die Ermittlungen seien von „Pleiten, Pech und Pannen“ begleitet gewesen. Zudem hätten Polizisten, die als Zeugen aussagten, offensichtlich Dinge „absichtlich verschwiegen“ und „gelogen“. Auch deshalb sei eine Verurteilung nicht möglich gewesen. „Das hat mit Rechtsstaat nichts mehr zu tun“, sagte Steinhoff. Polizeibeamte, die dem Rechtsstaat eigentlich in besonderem Maße verpflichtet seien, hätten dies unmöglich gemacht. Bereits nach Verkündung des Urteiltenors kam es im Saal zu Tumulten gekommen. Afrikaner sprangen auf, riefen unter anderem „Lügner“ und bezeichneten die angeklagten Polizisten als „Mörder“. Die Staatsanwaltschaft hatte für den einen angeklagten Polizisten eine Geldstrafe in Höhe von 4800 Euro gefordert, für den anderen Beamten Freispruch aus Mangel an Beweisen. AFP

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