• Tumulte bei Anhörung für Moscheebau in Köln Rechtsextreme stören Veranstaltung / Architekt: Gebäude keine Machtdemonstration der Muslime

Politik : Tumulte bei Anhörung für Moscheebau in Köln Rechtsextreme stören Veranstaltung / Architekt: Gebäude keine Machtdemonstration der Muslime

Köln/Berlin - Tumultartige Szenen haben sich am Dienstagabend bei einer Anhörung zu den Plänen für eine Großmoschee im Kölner Stadtteil Ehrenfeld abgespielt. Architekt Paul Böhm stellte vor gut 600 Bürgern in aufgeheizter Atmosphäre seine Änderungspläne vor. Unter lauten Protestrufen von Moscheegegnern nannte er als wichtigsten Unterschied zum ersten Entwurf, dass der Gebetsraum transparenter werden solle. Dies sei „keine Replik eines osmanischen Baustils“.

Die anschließende Diskussion unterbrach Bezirksvorsteher Josef Wirges, um Vertreter der rechtsextremen Organisation „Pro Köln“ von Sicherheitskräften aus dem Raum führen zu lassen. Sie hatten mit Buhrufen gestört und Wirges als „Nazi“ beschimpft. Bei den mehr als 50 Fragen ging es um den Sinn von Minaretten, Integrationspolitik und Verkehrsstörungen rings um die Moschee durch den zu erwartenden Andrang beim Freitagsgebet. Baudezernent Bernd Streitberger betonte, dass die Pläne noch nicht „zementiert“ seien, sondern Änderungsvorschläge der Bürger bedacht würden.

Einige Teilnehmer bezeichneten den Bau als zu dominant, warnten vor der „Gefahr, dass in den Mauern des muslimischen Gemeindezentrums eine Parallelgesellschaft entsteht“. Andere stellten die Chancen in den Vordergrund. „Ich bin ene escht kölsche Mädsche“, sagte eine junge Frau mit Kopftuch und warb für den Bau. Ein junger Mann, der sich als engagierter Christ und Ehemann einer türkischstämmigen Muslimin vorstellte, sagte: „Nutzen wir diesen tollen Bau als Chance zur Integration.“

Architekt Böhm wies den Vorwurf zurück, es handele sich bei dem Bau um eine Machtdemonstration von Muslimen. Es solle aber sichtbar werden, dass es sich um ein muslimisches Gebetshaus handele. Der Entwurf der Böhms – neben Paul sein Vater Gottfried – hatte 2006 den Wettbewerb für den Moscheeneubau gewonnen. Das bisherige Gotteshaus der Ditib befindet sich in einer stillgelegten Fabrik. Der 87-jährige Architekturprofessor Gottfried Böhm hat sich mit vielen Kirchenbauten, vor allem im Rheinland, einen Namen gemacht. Er ist der einzige deutsche Architekt, der mit dem amerikanischen Pritzker-Preis ausgezeichnet wurde. Der hochdotierte Preis ist die weltweit wichtigste Auszeichnung für Architektur und wurde auch an I.M. Pei und Sir Norman Foster verliehen.

Der veränderte Entwurf sieht einen 34 Meter hohen Kuppelbau mit zwei 55 Meter hohen Minaretten vor; die umliegenden Bauten sind 45 bis 78 Meter hoch. Die Kuppel ist als Weltkugel gestaltet (siehe Foto). Der Gebetsraum hat wesentlich mehr Fenster als zunächst geplant. Wie im ersten Entwurf vorgesehen, sollen darin 2000 Gläubige Platz haben. Die Minarette hat Böhm „aus liturgischen Gründen“ in den Innenhof verlagert.

Unterstützung für den Moscheebau gibt es im Kölner Stadtrat von CDU, SPD, FDP und Grünen. Auch die katholische und die evangelische Kirche haben sich dafür ausgesprochen. Die CDU im Stadtteil selbst ist dagegen. Das linksrheinische, citynahe Ehrenfeld ist Teil von Köln III, dem rot-grünsten der Kölner Bundestagswahlkreise. Bei der letzten Wahl erreichte die SPD dort 40,8, die Grünen kamen auf 15,4 Prozent der Zweitstimmen. Aufsehen hatte es kürzlich um Äußerungen des in Köln lebenden Schriftstellers und Holocaust-Überlebenden Ralph Giordano gegeben, der sich vehement gegen die Moschee ausgesprochen hatte. Der Bau täusche eine Integration von Muslimen vor, meinte der 84-Jährige.Es gebe in Deutschland eine tausendjährige christlich-jüdische Tradition. Das könne man von der islamischen Kultur nicht sagen. KNA/ade/ddp

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