Tunesien : „Die Achillesferse des Präsidenten“

In ihrem Buch geht die aus einfachen Verhältnissen stammende Leila Trabelsi, Ehefrau von Ben Ali, auch auf die Geschäfte ihres Familienclans ein. Die neun Geschwister sowie Neffen, Onkel und Schwager waren in Tunesien als unfassbar geldgierig und korrupt verhasst, weil sie sich alle wichtigen Importmonopole sicherten und durch Drohungen Beteiligungen an allen gut gehenden Geschäften erzwangen. „Natürlich habe ich meiner Familie geholfen, besser zu leben“, beginnt Trabelsi, um dann aber doch zuzugeben: „Einige von uns haben übertrieben, oft die Jungen, die sich grenzenlos von ihrer Profitgier haben treiben lassen.“ Sie habe ihren Unmut darüber gezeigt, „aber ich konnte nicht alles kontrollieren“, verteidigt sie sich. Heute sieht Trabelsi ein, dass ihre eigene raffgierige und skrupellose Großfamilie die „Achillesferse“ der Regentschaft von Ben Ali war. Doch weniger das Unrecht als die Folgen dieses Gebarens für Tunesiens damaligen Präsidenten schmerzen die Dame, die heute im Exil in Jeddah nach eigener Auskunft viel Zeit mit Beten verbringt: „Hätte ich gewusst, dass Ben Ali dafür bezahlen müsste, wäre ich konsequenter dagegen vorgegangen.“ Und dass Leila Trabelsi Besserung gelobt, macht die Rückseite des Buchcovers deutlich: Hier steht fettgedruckt, dass die Einnahmen aus dem Verkauf des Buches an eine gemeinnützige Einrichtung gehen. an

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