Tunesien : Djerba-Opfer kritisieren Hilfen für Terrorüberlebende

Die Opfer des Attentats vor einer Synagoge auf der tunesischen Ferieninsel Djerba im Jahr 2002 vermissen aktive Unterstützung bei der seelischen und körperlichen Aufbereitung. Im Gegensatz zu den Tätern überlasse man die Opfer zu oft sich selbst.

Jost Müller-Neuhof

BerlinÜberlebende des Djerba-Attentats haben aktuelle politische Vorstöße zur Entschädigung von Terroropfern als unzureichend kritisiert. „Es geht nicht um Geld, sondern um aktive Hilfe für Opfer. In der Situation, in der wir waren, braucht man einen Berater oder Paten, der uns hilft, wieder in den Alltag und unser Leben zurückzufinden“, sagte Michael Esper vom Deutschen Opferschutzbund Djerba dem Tagesspiegel. „Es kann nicht sein, dass man sich um Täter professionell kümmert, die Opfer solcher Gewalttaten aber ehrenamtlichen Helfern überlässt.“ Der Bundestags-Sozialausschuss diskutiert am Montag Anträge von Grünen und FDP. Danach sollen künftig deutschen Opfern von Terrortaten im Ausland Zahlungen nach dem Opferentschädigungsgesetz (OEG) zustehen. Auch die Bundesregierung will das Anliegen prüfen, sagte ein Sprecher des Sozialministeriums am Sonntag.

Esper wird am Freitag im Pariser Prozess um den Anschlag auf der tunesischen Ferieninsel Djerba im Jahr 2002 aussagen. Angeklagt ist der Deutsche Christian G., dem die deutsche Justiz keine Tatbeteiligung nachweisen konnte. Bei der Explosion vor einer Synagoge starben 21 Menschen, darunter 14 Deutsche. Espers damals dreijährigem Sohn wurde die Haut zu 50 Prozent verbrannt, er selbst war ebenfalls schwer verletzt. Das Kind ist seitdem rund 50 Mal operiert worden. Die Djerba-Opfer hätten zwar Geld aus einem Fonds erhalten, jedoch keinerlei aktive Unterstützung, seelische und körperliche Folgen zu überwinden, sagte Esper. Er kritisierte, die Perspektiven der Opfer würden bei der Expertenanhörung am Montag nicht genügend berücksichtigt. „Eine Hilfsorganisation wie der Weiße Ring hat ihre Daseinsberechtigung, aber sie kann unsere Anliegen nicht glaubwürdig vertreten“, sagte Esper weiter.

Nach Ansicht Espers sind schwerst Traumatisierte überfordert, sich allein um Hilfe zu bemühen. „Die meisten Verbrechensopfer bekommen keine Entschädigung, weil sie keine beantragen.“ In diese Richtung geht auch die Stellungnahme des Deutschen Anwaltvereins (DAV) zur Anhörung am Montag: Ihre Ansprüche geltend zu machen, falle den Opfern auch 33 Jahre nach Inkrafttreten des OEG schwer. Der DAV fordert speziell geschulte, staatlich finanzierte Opferanwälte.

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