Politik : Tunesischer Islamistenchef aus Exil zurück

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Tunis - Der tunesische Islamistenführer Rached Ghannouchi ist nach 22 Jahren im britischen Exil zurückgekehrt. Ghannouchi war am Sonntagvormittag von London-Gatwick geflogen. Der 69-Jährige wurde von seiner Tochter Soumaya Ghannouchi, von 30 Unterstützern seiner gemäßigt islamistischen Partei und Journalisten begleitet. Am Flughafen von Tunis feierten hunderte Anhänger seine Rückkehr, darunter auch einer der Mitgründer der Partei, Abdel Fattah Mourou. „Es ist eine große Freude für uns, unseren Kameraden in Empfang zu nehmen“, sagte er. Einige Dutzend Laizisten demonstrierten gegen den islamischen Fundamentalismus.

Ghannouchi sagte nach seiner Landung, er werde bei Wahlen nicht antreten, und „es wird kein anderes Mitglied der Ennahda tun“. Vor seiner Abreise aus London hatte er noch gesagt, sollte es in Tunesien freie und faire Parlamentswahlen geben, werde seine Partei teilnehmen. Am Abend erklärte Ghannouchi dann, nach 20 Jahren Abwesenheit sei Ennahda „nicht bereit, eine Rolle auf der politischen Bühne zu spielen“. Vorrang habe der Wiederaufbau der Partei. Eine Mitarbeit in der Übergangsregierung schloss er nicht aus. Deren Chef, der mit ihm nicht verwandte Mohammed Ghannouchi, der das Amt des Ministerpräsidenten seit 1999 innehat, hatte das nach der Flucht von Präsident Ben Ali eingerichtete Kabinett am Donnerstag umgebildet und fünf Minister ausgewechselt.

Rached Ghannoucchi hatte sein Land 1989 verlassen, als zwei Jahre nach der Machtübernahme Ben Alis die Verfolgung von Islamisten begann. Der frühere radikale Prediger hatte die Ennahda-Partei 1981 nach dem Vorbild der ägyptischen Muslimbruderschaft gegründet. Seitdem war die Bewegung in Tunesien verboten. Im Gegensatz zu früher, als er das Aufkommen säkularer Tendenzen im Land kritisierte, lehnt er heute nach eigenen Angaben die Scharia ab. AFP

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