Politik : Tunnel unter der Wüste

Bei ihrer Suche nach vermissten Touristen in Algerien stößt eine Karawane auf mögliche Spuren

Clemens Altmann

Fast sieben Wochen ist es schon her, dass eine erste Touristengruppe in den Weiten der algerischen Sahara verschwunden ist. Inzwischen ist die Zahl der verschollenen Abenteurer auf 29 angestiegen. Neben 16 Deutschen, vier Schweizern und einem Holländer gelten seit vergangenem Freitag auch acht Österreicher als vermisst. Auch sie sollen in der Gegend nördlich von Tamanrasset und um die Oasenstadt Illizi unterwegs gewesen sein. Nachdem die intensive Suche in der Region zunächst keinen Erfolg brachte, hat die Wüste vor wenigen Tagen offenbar einen ersten Hinweis auf die Vermissten preisgegeben: Eine in unwegbares Gelände ausgeschickte Kamelkarawane entdeckte in den Bergen nahe der Grenze zu Libyen offenbar unterirdische Grotten und verschlungene Gänge. Die Suchmannschaft vermutet nach Berichten der ARD-„Tagesschau“, dass sich dort Menschen aufhalten. Ob allerdings die verschwundenen Abenteurer von Kidnappern dorthin verschleppt wurden und eventuell immer noch irgendwo in dem Tunnelsystem festgehalten werden, konnte bisher nicht ermittelt werden.

Dennoch wurde ein erster Zusammenhang hergestellt, da die Sucher durch ein verlassenes Fahrzeug auf den Eingang zu dem mysteriösen Ort gestoßen waren. Die Gegend galt bislang wegen ihrer Unwägbarkeiten für Geländewagen als Tabu. Von algerischer Seite wurde die Information zunächst nicht bestätigt. Sicherheitskräfte in Illizi erklärten am Wochenende lediglich, dass es keine neuen Erkenntnisse gebe. Die algerische Armee und die Gendarmerie haben ihre Suche in der Region jedoch verstärkt.

Trotz dieser ersten Spur bleibt aber das Verschwinden der Touristen nach wie vor ein Rätsel. In der Vergangenheit waren Wüstenreisende gelegentlich Opfer von Überfällen durch Schmugglerbanden in der Region geworden. In diesen Fällen gab es aber immer irgendeinen Hinweis, und in den meisten Fällen blieben die Betroffenen unversehrt. Da aber diesmal eine ungewöhnlich große Reisegruppe verschwunden ist, schließen Sicherheitsexperten in Algerien, Deutschland, Österreich und in der Schweiz auch nicht aus, dass völlig neue Akteure ihre Hand im Spiel haben. Möglicherweise gerieten die Wüstenfahrer, die ohne den Schutz einheimischer Führer unterwegs waren, in die Gewalt von Anhängern der islamistischen Terrorgruppe GSPC. Kommandos dieser bewaffneten Gruppe, die der Führung in Algier unversöhnlich gegenübersteht, agieren seit Jahren in der Region und sind dort vor allem im Waffenschmuggel in den Grenzregionen mit Mali, Niger und Libyen aktiv. Die Gruppe soll auch Verbindungen zur Terrorgruppe Al Qaida unterhalten.

Obwohl seit dem Verschwinden der ersten Gruppe schon mehrere Wochen vergangen sind, schließen Beobachter nicht aus, dass eventuell Forderungen nach Lösegeld auftauchen oder die Freilassung in Deutschland verurteilter und einsitzender algerischer Islamisten erpresst werden soll. Derlei Überlegungen sind allerdings bislang noch reine Theorie. Es werde jedem Hinweis nachgegangen, versichern die Krisenstäbe der betroffenen Länder. Aus Deutschland eilten am Sonntag weitere fünf Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) nach Algier. Bereits vor einer Woche war der BKA-Verbindungsbeamte aus Tunis angereist.

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