Turkmenistan : Präsident Nijasow ist tot

Der turkmenische Präsident Saparmurat Nijasow ist im Alter von 66 Jahren gestorben. Der autokratische Herrscher und selbsternannte "Vater aller Turkmenen" starb an Herzversagen.

Moskau - Nijasow starb am frühen Donnerstagmorgen um 1.10 Uhr (Ortszeit) an Herzversagen. In der Hauptstadt Aschchabad beriet der nationale Sicherheitsrat, wie die Stabilität im Land sichergestellt werden könne. Auf den Straßen blieb es nach Angaben der russischen Botschaft zunächst ruhig. Es wurde Staatstrauer ausgerufen. Das berichtete das Staatsfernsehen von Turkmenistan nach Angaben der Agentur Interfax.

Der Verfassung nach gehen die Vollmachten des Präsidenten bis zu Neuwahlen auf den Vorsitzenden des turkmenischen Parlaments, Owesgeldy Atajew, über. Nach dem Tod Nijasows warnten russische Politologen jedoch vor einem Machtkampf um die Führung des Landes. Ein Sprecher von Russlands Präsident Wladimir Putin erklärte, der Kreml rechne auch unter einer neuen Führung mit Kontinuität in den Beziehungen beider Länder.

Der zum Staatsführer auf Lebenszeit und "Vater aller Turkmenen" ernannte Nijasow regierte das zentralasiatische Land seit seiner Unabhängigkeit 1990. Unter seiner autoritären Herrschaft war die an Öl- und Gasvorkommen reiche Ex-Sowjetrepublik nach außen weitgehend abgeschottet.

Von deutschen Ärzten behandelt

Nijasow, der bereits seit längerem an Herzproblemen litt, wurde von deutschen Ärzten behandelt. 1997 war ihm in einer Münchner Spezialklinik ein Bypass gelegt worden. Zuletzt hatten im Oktober russische Medien berichtet, der Gesundheitszustand des Autokraten habe sich rapide verschlechtert.

In internationalen Vergleichen über den Stand von Demokratie und Menschenrechten landet Turkmenistan stets auf den hinteren Rängen. Von den enormen Gasvorkommen des Landes profitiert eine kleine Elite. (tso/dpa)

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