• Turkmenistans Diktator stirbt an Herzversagen USA und Russland setzen jetzt auf die Opposition

Politik : Turkmenistans Diktator stirbt an Herzversagen USA und Russland setzen jetzt auf die Opposition

Elke Windisch[Moskau]

Einer der schlimmsten Diktatoren auf der Welt ist tot: Der turkmenische Präsident Saparmurat Nijasow starb mit 66 Jahren durch einen Herzstillstand. Nicht einmal Experten wagen bisher Prognosen zu möglichen Szenarien nach seinem Tod. Deutschland, das für seine EU-Präsidentschaft 2007 das öl- und gasreiche Zentralasien zu einem wichtigen Aktionsfeld erklärt hat, könnte durch die Entwicklungen in Turkmenistan mehr gefordert werden, als Kanzlerin und Außenminister lieb ist.

Zu Sowjetzeiten KP-Chef der Wüstenrepublik am Ostufer des Kaspischen Meeres, 1990 zum Präsidenten gewählt und neun Jahre später vom Scheinparlament in diesem Amt auf Lebenszeit bestätigt, forderte der Turkmenbaschi – „der Führer aller Turkmenen“, wie Nijasow sich seit 1992 offiziell titulieren ließ – von seinen darbenden Untertanen gottähnliche Verehrung und Kadavergehorsam. Opposition und unabhängige Medien brachte er schon Anfang der 90er Jahre brutal zur Strecke. Sein Name wurde beim Gebet in den Moscheen gleich nach dem des Propheten Mohammed genannt, sein „Buch des Geistes“ muss bei Diplom- und Doktorarbeiten so ausführlich zitiert werden wie einst Karl Marx. Die Theater des Landes führen nur seine Stücke auf, sein Geburtstag ist Nationalfeiertag.

Was nach ihm wird, ist offen: Zwar bestimmte die Umgebung des Diktators Vizepremier Kurbanguly Berdymuhamedow zum Chef der Bestattungskommission und damit nach lokalem Politikverständnis zum Nachfolger. Ob Berdymuhamedow – er soll ein unehelicher Sohn Nijasows sein – bei den Wahlen in zwei Monaten klare Mehrheiten bekommt, ist aber fraglich. Denn die Turkmenen sind bisher keine einheitliche Nation, sondern ein Kartell aus fünf Stämmen, die einander in herzlicher Abneigung zugetan sind. Ähnlich zerstritten ist die Opposition, wo ein prorussischer Flügel um Ex-Außenminister Avdy Kulijew und ein prowestlicher ohne anerkannten Führer um das Meinungsmonopol kämpfen. Russland und die USA dürften versuchen, ihre Interessen bei der Nachfolge-Regelung vor allem mit diesen Hilfstruppen auszufechten.

Verträge sichern Russland für über 20 Jahre den Zugriff auf die Hauptmenge der Gasförderung und das Monopol für die Durchleitung. Für die USA dagegen ist Turkmenistan wegen der langen Grenzen zu Afghanistan und zum Iran strategisch wichtig, weil mögliche Aufmarschbasis für eine militärische Operation gegen Teheran. Der Iran dürfte die Entwicklungen in Turkmenistan auch deshalb mit Bangen verfolgen, weil Nijasow wichtigster Verbündeter der Mullahs im Streit um das Kaspische Meer und die Ölfelder im Schelf war. Russland, Kasachstan und Aserbaidschan wollen das Gewässer entlang einer Mittellinie teilen, die im gleichen Abstand zu den Küsten verläuft, Iran und Turkmenistan, die dabei nur 17 und 14 Prozent bekämen, pochen auf Teilung in fünf gleich große Sektoren.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte in Moskau, er hoffe, dass die einflussreichen Politiker und Gruppen des Landes den Übergang mit Verantwortung für die gesamte Region regeln werden. Ähnlich äußerte sich sein russischer Kollege Sergej Lawrow. Steinmeier äußerte die Hoffnung auf einen friedlichen Machtwechsel, um die Stabilität in Zentralasien nicht zu gefährden. Sowohl Russland als auch die EU hätten ein „sehr dringendes Interesse daran“, dass Zentralasien stabil bleibe und sich von dem Einfluss der südlichen Nachbarn Afghanistan und Iran freihalte, sagte Steinmeier nach einem Treffen mit Lawrow. Steinmeier hatte Anfang November als erster Außenminister der EU alle fünf zentralasiatischen Länder besucht. (mit AFP)

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