Politik : Tusk und Kaczynski rüsten sich für Duell

Der Nachfolger von Polens Staatschef Kwasniewski wird erst bei Stichwahl in zwei Wochen bestimmt

Thomas Roser[Warschau]

Bei der Präsidentenwahl in Polen hat am Sonntag keiner der zwölf Kandidaten die erforderlichen 50 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können. Wie erwartet, werden sich der Chef der rechtsliberalen PO, Donald Tusk, und der Warschauer Oberbürgermeister Lech Kaczynski von der nationalkonservativen PiS in die Stichwahl am 23. Oktober erneut den Wählern stellen. Laut den ersten Prognosen lag Wahlfavorit Tusk beim ersten Wahlgang rund fünf Prozentpunkte vor seinem Rivalen Kaczynski.

Rund 30 Millionen Polen waren zur Wahl eines Nachfolger für den nach zwei Legislaturperioden aus dem Amt scheidenden Präsidenten Aleksander Kwasniewski aufgerufen. Wenn er die Wahl gewinne, werde ihn seine erste Amtsreisen in den Vatikan und nach Washington führen, hatte Kaczynski bei Abgabe seiner Stimme am Sonntagmorgen siegesgewiss erklärt. Doch ob er das Grab des polnischen Papstes Johannes Paul II. als Staatschef aufsuchen wird, scheint nach dem ersten Wahlgang eher ungewiss. Laut den ersten Wahlprognosen hat Tusk mit 38,6 Prozent der Stimmen im Rennen um den Einzug in den Präsidentenpalast vorläufig die besten Karten. Für Kaczynski, dessen Partei bei den Parlamentswahlen vor zwei Wochen die meisten Stimmen erhalten hatten, stimmten 33,4 Prozent. Deutlich abgeschlagen folgten der populistische Bauernführer Andrzej Lepper von der Bauernprotestpartei Samoobrona mit 13,4 Prozent sowie der Reformlinke Marek Borowski mit 9,4 Prozent. Die restlichen Kandidaten erhielten nur marginale Stimmanteile.

„Dies ist der wichtigste Tag meines Lebens. Es ist der Beweis, dass man auch als guter Mensch Erfolg haben kann“, freute sich der von seinen Anhängern frenetisch gefeierte Tusk über seinen Etappen-Erfolg: „Dieser Sieg gibt Millionen von Polen Hoffnung für die Stichwahl: Wir sind nur noch wenige Schritte vom Erfolg entfernt.“ Er sei sicher, dass bei der Stichwahl seine Konzeption eines solidarischen und gerechten Polens triumphieren werde, gab sich sein Konkurrent Kaczynski mit etwas verkniffener Miene kämpferisch. Die Vision eines patriotischen Polens sei für seine Landsleute attraktiver als die der liberalen Experimente: „Wir werden siegen.“ Für Spannung bei der Stichwahl ist trotz des schwachen Wählerinteresses gesorgt. Die Anhänger des sozialliberalen Borowski dürften beim erneuten Urnengang vermutlich eher für Tusk stimmen. Rechtsausleger Kaczynski hofft wegen seines auf die schwachen Einkommenschichten zielenden Wirtschaftsprogramm auf Stimmen aus dem Lager des Linkspopulisten Lepper. Am Wahlabend vermied der Bauernführer allerdings genauso wie Borowski eine Wahlempfehlung für einen der beiden im Rennen verbleibenden Rivalen.

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