Tutsi-Ermordungen : Ruanda: Frankreich war aktiv am Völkermord beteiligt

14 Jahre nach dem Völkermord an der Tutsi-Minderheit durch Hutus erhebt Ruandas Regierung schwere Vorwürfe gegen Frankreich. Französische Soldaten hätten nicht nur von den Vorbereitungen zu den Ermordungen gewusst, sie selber sollen getötet und vergewaltigt haben.

Tutsi
Tutsi vor Überrsten der Opfer des Völkermords. -Foto: dpa

Nairobi/KigaliRuanda wirft Frankreich eine "aktive Rolle" im Völkermord an der Tutsi-Minderheit im Jahr 1994 vor. Nach einem am Dienstag veröffentlichen Bericht einer Untersuchungskommission der Regierung, die zwei Jahre lang Überlebende und Augenzeugen befragt hatte, war den französischen Behörden klar, dass es Vorbereitungen für den Völkermord gab. Außerdem habe Frankreich eine Rolle bei der Ausbildung der Hutu-Milizen gespielt, die in nur 100 Tagen rund 800.000 Tutsi und gemäßigte Hutus ermordeten, zitierte der britische Rundfunksender BBC aus dem Bericht. Französische Soldaten sollen zudem an den Verbrechen in dem ostafrikanischen Land direkt beteiligt gewesen sein. Sie hätten Tutsis ebenso getötet wie Hutus, die Tutsis versteckt haben sollen. Zudem hätten französische Soldaten überlebende Tutsis vergewaltigt.

In dem Bericht werden 33 Offiziere und Politiker aus Frankreich aufgeführt, die nach Ansicht der Verfasser wegen ihrer Rolle strafrechtlich verfolgt werden sollten. Unter anderem werden in dem Bericht der damalige französische Staatspräsident François Mitterrand und der ehemalige Premierminister Dominique de Villepin genannt.

Beweise für eine Verbindung Frankreichs zum Hutu-Regime

Präsident Paul Kagame hatte bereits in der vergangenen Woche von "schwerwiegenden Beweisen" für eine Verbindung Frankreichs zu dem Hutu-Regime, das für den Völkermord verantwortlich war, gesprochen. Die ruandische Regierung hatte den Bericht der Untersuchungskommission bereits im November erhalten. Er wurde aber erst jetzt veröffentlicht.

Frankreich hat in der Vergangenheit "politische Irrtümer" eingeräumt, eine Verwicklung in den Völkermord aber bestritten. Die heutige ruandische Regierung, die von Tutsi dominiert wird, hatte im November 2006 die diplomatischen Beziehungen zu Frankreich abgebrochen, nachdem ein französischer Richter Haftbefehl gegen enge Mitarbeiter des Präsidenten wegen der Ermordung des damaligen Staatschefs Juvenal Habyarimana erlassen hatte. Nach dem Tod Habyarimanas hatten radikale Hutus das Morden begonnen. Die französische Armee war unter einem UN-Mandat in der Region und hatte eine Sicherheitszone in Teilen Ruandas errichtet. (mpr/dpa/AFP)

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