TV-Debatte : Bayrou lässt Royal zappeln

Im Kampf um die Stimmen der Mitte hat die Sozialistin Ségolène Royal eine Reihe von Gemeinsamkeiten mit François Bayrou entdeckt. Der Liberale will sich aber trotzdem für keinen der beiden verbliebenen Präsidentschaftskandidaten entscheiden.

Paris - Eine Woche vor der Stichwahl um Frankreichs Präsidentschaft haben die Sozialistin Ségolène Royal und der ausgeschiedene Liberale François Bayrou Übereinstimmungen festgestellt, aber kein Bündnis vereinbart. Nach einer mit Spannung erwarteten TV-Debatte sagte Bayrou, er wisse weiter nicht, wie er beim Stechen zwischen Royal und dem konservativen Ex-Innenminister Nicolas Sarkozy am 6. Mai abstimmen werde. Es war das erste Mal, dass ein Teilnehmer der französischen Stichwahl sich mit einem unterlegenen Bewerber vor die Kameras setzte. Bayrous 6,82 Millionen Wählerstimmen aus der ersten Runde gelten als entscheidend für das Stechen.

Gleich zu Beginn der fast zweistündigen Debatte stellten Bayrou und Royal zahlreiche Übereinstimmungen bei ihren Plänen für eine Reform des politischen Systems fest. Auch zu den Problemen in den Vorstädten äußerten sich beide ähnlich. So traten sie dafür ein, junge Kleinkriminelle ab ihrer ersten Straftat zu gemeinnütziger Arbeit zu verurteilen. Bayrou hielt Royal aber vor, wirtschaftlich zu sehr auf den Staat zu setzen. Er forderte unter anderem Lockerungen an der Arbeitszeitregelung zur 35-Stunden-Woche. Beide traten für einen größeren Anteil der erneuerbaren Energien und eine Aussetzung des umstritteten Reaktorbaus für das erste EPR-Atomkraftwerk der dritten Generation ein.

Sarkozy will nicht mit Bayrou sprechen

Die Sozialistin und der Liberale verwiesen darauf, dass ihr Dialog vor allem dazu beitragen solle, Frankreichs Spaltung in politische Lager zu überwinden und mehr Pluralismus zu schaffen. Royal sagte gleich zu Beginn, ihr Ziel sei es nicht, "François Bayrou zu überzeugen". Sie wolle nach ihrer Wahl ihren "Präsidentenpakt" umsetzen. Bayrou hatte in der ersten Wahlrunde am vergangenen Sonntag mit 18,57 Prozent der Stimmen den dritten Rang hinter Sarkozy und Royal belegt. Der Vorsprung Sarkozys vor Royal hatte knapp zwei Millionen Stimmen betragen.

Anders als Royal lehnt Sarkozy öffentliche Gespräche mit Bayrou ab. Der Konservative will vor dem Stechen am kommenden Sonntag allein sein eigenes TV-Duell mit Royal am Abend des 2. Mai gelten lassen. Am Rande einer Wahlkampftermins im nordfranzösischen Valenciennes bezeichnete Sarkozy die Debatte als "kleine Tricks in einem Pariser Hotel".

Um die Debatte zwischen Royal und Bayrou hatte es ein tagelanges Tauziehen gegeben; erst im dritten Anlauf fand sich mit dem Privatsender BFM-TV ein Ausrichter. Live übertragen wurde das Treffen schließlich auch im Radiosender RMC. Wie zahlreiche Medien machten Royal und Bayrou Druck aus dem Sarkozy-Lager für die Probleme veranwortlich. Beide verlangten eine stärkere Kontrolle der Medienkonzentration in Frankreich. (tso/AFP)

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