TV-Debatte der US-Republikaner : Donald Trump gerät unter Druck

Bei der zweiten großen Fernsehdebatte im Vorwahlkampf haben die republikanischen Präsidentschaftsbewerber Donald Trump ins Visier genommen.

Donald Trump und Jeb Bush bei der TV-Debatte am Mittwoch.
Donald Trump und Jeb Bush bei der TV-Debatte am Mittwoch.Foto: AFP

Bei der zweiten großen Fernsehdebatte im Vorwahlkampf der US-Republikaner ist der in Umfragen führende Geschäftsmann Donald Trump unter Druck geraten. Trumps zehn Mitbewerber gingen ihn bei der am Mittwochabend (Ortszeit) vom Nachrichtensender CNN übertragenen Veranstaltung hart an und sprachen ihm die Eignung als Präsident ab. Lauten Applaus erhielt die Ex-Managerin Carly Fiorina, die zum ersten Mal auf der großen Bühne mitdiskutierte.

"Der Mangel an Urteilsvermögen und der Mangel an Verständnis, wie die Welt funktioniert, ist in Zeiten wie diesen wirklich gefährlich", sagte der frühere Gouverneur von Florida, Jeb Bush, zu Trump. Wisconsins Gouverneur Scott Walker ergänzte, dass der politische Seiteneinsteiger als Präsident überfordert wäre: "Wir brauchen keinen Lehrling im Weißen Haus, wir haben gerade schon einen." Fiorina nannte Trump einen "wunderbaren Entertainer" und legte nahe, dass der einstige Gastgeber einer Reality-TV-Sendung bei "Fähigkeit, Urteilsvermögen und Temperament" dem höchsten Staatsamt nicht gewachsen sei.

Trump entgegnete, dass er als Geschäftsmann gelernt habe, erfolgreich gute Deals auszuhandeln. Außerdem werde er dafür sorgen, dass der USA in der Welt wieder Respekt entgegen gebracht werde. Der Milliardär mischt seit der Verkündung seiner Bewerbung Mitte Juni das Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur auf und schlachtet vor allem das Thema illegale Einwanderung populistisch aus. In der Auseinandersetzung mit seinen Mitbewerbern schreckte er auch vor beleidigenden und frauenfeindlichen Äußerungen nicht zurück.

Neben Trump, Bush, Fiorina und Walker nahmen auch der frühere Gouverneur von Arkansas, Mike Huckabee, der pensionierte Neurochirurg Ben Carson, die Senatoren Ted Cruz, Marco Rubio und Rand Paul sowie die Gouverneure von New Jersey und Ohio, Chris Christie und John Kasich, an der Debatte teil. Die Diskussionen drehten sich unter anderem um den Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS), das Atomabkommen mit dem Iran, die Steuer- und Wirtschaftspolitik sowie gesellschaftliche Streitfragen wie Abtreibung, Homoehe und die Legalisierung von Marihuana.

Carly Fiorina hinterlässt starken Eindruck

Vier in Umfragen abgeschlagene Bewerber, die nur bei einer weniger prominenten Veranstaltung vor der Hauptdebatte zum Zug kamen, arbeiteten sich ebenfalls an Trump ab. "Lasst uns aufhören, Donald Trump als Republikaner zu behandeln", sagte etwa Louisianas Gouverneur Bobby Jindal.

Der Website realclearpolitics.com zufolge lag Trump in Umfragen zur republikanischen Kandidatur mit im Schnitt 30 Prozent Zustimmung zuletzt deutlich vorne. Meinungsforscher sahen Carson mit 20 Prozent auf dem zweiten Platz. Der wegen seiner Unterstützung durch Parteigranden und Großspender lange als Favorit gehandelte Bush kam dagegen nur auf knapp acht Prozent.

Einen starken Eindruck bei der dreistündigen Debatte in der Präsidentenbibliothek von Ronald Reagan im kalifornischen Simi Valley hinterließ Fiorina, die laut realclearpolitics.com bislang nur gut drei Prozent Zustimmung erreichte. Bei der ersten Fernsehdebatte im August war die Ex-Managerin des IT-Konzerns Hewlett-Packard gar nicht zur Hauptdebatte eingeladen gewesen.

Die einzige Frau im republikanischen Bewerberfeld nahm sich die frühere Außenministerin Hillary Clinton vor, die als Favoritin für die Kandidatur der Demokraten gilt. Clinton habe keinerlei Erfolge vorzuweisen, wetterte sie. Ihre Bilanz bestehe aus Lügen über den Anschlag auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi und aus Lügen über ihre E-Mail-Kommunikation als Chefdiplomatin.

Die Präsidentschaftswahl findet im November 2016 statt. US-Präsident Barack Obama darf nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten. Beide Parteien bestimmen ab Anfang kommenden Jahres in Vorwahlen ihre Kandidaten. (AFP)

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