TV-Debatte der US-Republikaner : Zu wenig im Angebot für das Weiße Haus

Im parteiinternen Kampf um die Präsidentschaftskandidatur schaffen es die Republikaner gerade, am Glanz von Donald Trump zu kratzen. Eine Alternative haben sie nicht. Ein Kommentar.

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Eindeutig zu viele: die Kandidaten der Republikaner vor der TV-Debatte
Eindeutig zu viele: die Kandidaten der Republikaner vor der TV-DebatteFoto: imago

Das Problem der Republikaner heißt nicht Donald Trump. Mit Provokation und Schärfe hat CNN-Moderator Jake Tapper am Mittwochabend den nonchalant-extremistischen Unternehmer in der zweiten Fernsehdebatte zur Jagd freigegeben. Eine willkommene Einladung. In unterschiedlichen Tonlagen nahmen die anderen zehn Kandidaten auf der Bühne die Gelegenheit wahr. Am Ende stand in der Mitte ein Donald Trump, der deutlich an Glanz verloren hatte.

Da erklärt Ben Carson, vor der Debatte noch auf Platz zwei in den Umfragen, Trump geduldig, dass die Autismus-„Epidemie“, von der Trump spricht, nichts mit Kleinkind-Impfungen zu tun habe. Sichtlich mit sich zufrieden erinnert Jeb Bush, Ex-Gouverneur von Florida, Trump an dessen Wahlkampfspende, die jenem zum Casino-Business in Florida habe verhelfen sollen. Richtig blass sieht der Mann, der mit seiner frauenfeindlichen Attitüde noch die erste Debatte bestimmt hatte, aus, als ihm die Ex-HP-Chefin Carly Fiorina nur kühl entgegenhält: „Frauen im ganzen Land haben sehr deutlich gehört, was Herr Trump gesagt hat.“

Der Satz hallte nach in der Reagan-Arena in Simi Valley. Carly Fiorina wird von Beobachtern schon als klare Siegerin der Kandidatendebatte gefeiert. Doch hier fängt das eigentliche Problem erst an.

Die Republikaner bringen auch im gelichteten Feld keinen starken Kandidaten hervor

Fiorina dominierte die Männerrunde mit klaren Plänen statt vager Aussagen. Zur Krise in der Ukraine etwa sagte sie, als Präsidentin würde sie „die sechste Flotte wieder aufbauen“, ebenso „das Raketenabwehrprogramm in Polen“. Sie würde „regelmäßige aggressive Militärübungen in den baltischen Staaten abhalten“ und „wahrscheinlich ein paar tausend Truppen mehr nach Deutschland schicken“.

Nach der Sendung merkten Experten an, dass die sechste Flotte schon mächtig groß sei und Präsident Barack Obama mit den Militärübungen in den baltischen Staaten längst zugange. Und was Deutschland mit ein paar tausend Truppen mehr anfangen solle, erkläre sich angesichts der Situation ebenso wenig. Von politischer Sachkenntnis war Fiorinas Ausflug in die Militärstrategie offenbar unberührt.

Neben dem Unternehmer Trump und dem Neurochirurgen Carson erscheint jetzt also die Managerin Fiorina als Stern am Himmel der Partei. Aus ihrer Mitte bringen die Republikaner auch im gelichteten Feld keinen starken Kandidaten hervor. Jeb Bush ist in der Runde der elf nicht untergegangen. Das ist wohl das Beste, was man ihm attestieren kann. Marco Rubio, abgeschlagener Senator, hat tapfer gegen den Untergang angekämpft, ebenso die Gouverneure von New Jersey, Chris Christie, und von Ohio, John Kasich. Aber einer, der gegen die drei Außenseiter hätte brillieren und Sachverstand wie politischen Realismus in die Debatte bringen können, war nicht in Sicht.

Donald Trump will sich nicht mit politischen Realitäten belasten. Ben Carson fällt gar nicht erst durch politische Aussagen auf. Carly Fiorina stellt aggressive Performance vor pragmatische Sachkenntnis, auf der Bühne wie in ihren politischen Vorstellungen. Das ist es, was die Grand Old Party im Moment für das Weiße Haus im Angebot hat. Zu wenig.

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