TV-Debatte : Hau’ den Rüttgers

Eine muntere TV-Debatte vor der Landtagswahl in NRW zeigt: Schwarz-Grün könnte, aber soll es nicht werden. Übrig blieb das Bild von Schwarz-Gelb auf der einen und Rot-Grün auf der anderen Seite.

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Die Kombattanten, mit Hannelore Kraft (l.) und Jürgen Rüttgers (2.v.r.)
Die Kombattanten, mit Hannelore Kraft (l.) und Jürgen Rüttgers (2.v.r.)Foto: dpa

Die Berater haben ganze Arbeit geleistet. Vor allem Sylvia Löhrmann war mit einem festen Auftrag in die TV-Debatte am Mittwochabend in Mönchengladbach gegangen: die grüne Spitzenkandidatin bei der Wahl in Nordrhein-Westfalen sollte jeden Anschein vermeiden, ein schwarz-grünes Bündnis anzusteuern; also jene Konstellation, die von den meisten Demoskopen gegenwärtig als die wahrscheinlichste Variante beim Urnengang am 9. Mai angesehen wird. Die Diskussion der fünf Kandidaten begann mit der eher nebensächlichen Frage nach dem Rauchverbot, als sie den amtierenden CDU-Ministerpräsidenten zum ersten Mal frontal anging. „Ihr Gesetz ist löchrig wie ein Schweizer Käse“, attackierte sie Jürgen Rüttgers, der dafür verantwortlich ist, dass es in Nordrhein-Westfalen so viele Ausnahmen gibt und nicht wenige befürchten, der Europäische Gerichtshof werde die Vorschrift kassieren. Sylvia Löhrmann schlug im übrigen bei diesen Attacken einen Ton an, der wenig Spielraum für Annäherung ließ, und daran änderte sich auch in den folgenden 90 Minuten nichts.

Vor allem in der Bildungspolitik ritt die grüne Spitzenkandidatin anschließend jede Menge Attacken gegen den Regierungschef, der bei diesem Thema in die Defensive geriet; was im übrigen auch damit zu tun hat, dass ihm selbst der Wunschkoalitionspartner FDP in entscheidenden Punkten widerspricht. Sylvia Löhrmann riss die Debatte in der ersten Hälfte der Fernsehdebatte an sich und nahm sich immer wieder Rüttgers vor. „Früher haben Sie die Gesamtschulen bekämpft, jetzt inszenieren Sie hier einen neuen Schulkampf“, heißt das in ihren Worten, und der Regierungschef steht anschließend allein da, wenn er das bestehende System verteidigt und selbst die Hauptschule nicht antasten möchte.

Auch SPD-Kandidatin Hannelore Kraft hat ihre Strategie für die zweite Runde geändert. Zu Wochenbeginn hatte sie sich mit Jürgen Rüttgers ein Watteduell geliefert; was auch damit zu tun hatte, dass sie ihrem Ruf als Kratzbürste aus dem Ruhrgebiet eben nicht gerecht werden wollte. Im Gespräch mit den vier anderen Spitzenkandidaten ließ sie sich an gleich mehreren Stellen aus der Reserve locken. Mal attackierte sie Jürgen Rüttgers frontal „Sie reden Unsinn“, dann wieder gab sie ihrem Nachbarn zur Rechten, dem Linken Spitzenkandidaten Wolfgang Zimmermann, mit auf den Weg: „Das ist doch alles Wolkenkuckucksheim“. Sie stritt auch an gleich mehreren Stellen mit Andreas Pinkwart, dem liberalen Spitzenmann, erst über die Schulpolitik und später über die von der FDP versprochenen Steuersenkungen.

Übrig blieb das Bild von Schwarz-Gelb auf der einen und Rot-Grün auf der anderen Seite. Dabei wissen die Matadore, dass es gegenwärtig wenig Aussicht für solche Wunschkoalitionen gibt.

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