TV-Debatte in den USA : Amerika wartet auf die nächste Trump-Show

Am Mittwochabend treten die republikanischen Bewerber zur zweiten TV-Debatte an. Und wieder steht vor allem einer im Mittelpunkt.

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Führt das republikanische Bewerberfeld an. Donald Trump.
Führt das republikanische Bewerberfeld an. Donald Trump.Foto: REUTERS

Washington - Ob er von Abu Bakr al Bagdadi gehört habe? Ihn unterscheiden könne von Hassan Nasrallah, wollte der konservative Radiomoderator Hugh Hewitt in einem Interview von Donald Trump kürzlich wissen. Der republikanische Lautsprecher, der vor islamistischer Infiltration warnt und Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte werden will, war um eine Antwort verlegen. Weder der Führer des „Islamischen Staats“ noch der Hisbollah-Chef waren ihm ein Begriff. Das sei noch nicht so wichtig, beschied Trump fast kleinlaut. Am Mittwochabend ist Hewitt einer von zwei Interviewern bei CNN, wenn elf Bewerber um die republikanische Präsidentschaftskandidatur zur zweiten TV-Debatte antreten.

Im August war Trump bei der ersten TV-Debatte in einen unfreundlichen Nahkampf mit der Fox-Moderatorin Megyn Kelly eingetreten. Jetzt sieht Amerika einer Fortsetzung entgegen. Die Werbepreise für Spots im Rahmen der Sendung sind auf Rekordhöhe. Ebensolche Zuschauerzahlen sollen erreicht werden. Und alle warten auf Trump.

Wenn sich die Republikaner am Mittwoch an ihren gläsernen Pulten aufreihen, wird er wieder in ihrer Mitte stehen. Im Hintergrund dient dann die „Air Force One“-Maschine, mit der Ronald Reagan als US-Präsident um die Welt geflogen wurde, als Kulisse. CNN hat die Bühne in der „Ronald Reagan Library“ im kalifornischen Simm Valley aufgebaut. Der Präsident gewordene Schauspieler, wie sinnbildlich für die Situation. Vor der Sendung zeigen die Umfragen den Politiker gewordenen Unternehmer Trump ganz vorne bei den Republikanern. Mit 27 Prozent Unterstützung hat er seit der ersten TV-Debatte sechs Prozent dazugewonnen. Wie es in Amerika um die Stimmung rechts der Mitte steht, illustriert aber noch eine andere Zahl. Nicht der etablierte frühere Gouverneur von Florida, Jeb Bush, sondern Ben Carson ist an die zweite Stelle aufgestiegen. Carson, ein Neurochirurg im Ruhestand, bekommt nach Zahlen der „New York Times“ 23 Prozent der potenziellen republikanischen Stimmen. Die Hälfte der Republikanerwähler verortet sich damit weit rechts außen. Carson ist leiser, zeigt sich intellektueller als Trump. Seine Botschaft indes ist eine ähnliche Mischung aus Anti-Establishment-Parolen, reaktionärem Weltbild und Sozialkonservativismus.

Seit Barack Obama ins Amt gewählt wurde, mobilisieren relevante Teile der Republikaner gegen Washington. Personifiziert durch Trump und Carson schlägt die Propaganda jetzt gegen die Republikaner der Mitte selbst zurück. Und die Stimmung reicht weit in die US-Gesellschaft hinein. 72 Prozent aller Amerikaner sagen derzeit, Politikern könne man ohnehin nicht trauen. Zwei Drittel, hat die „Washington Post“ erhoben, meinen, das politische System der Vereinigten Staaten würde nicht mehr funktionieren. Sechs von zehn Republikanern wollen künftig einen Präsidenten, der von außen kommt. Wobei Trumps Glaubwürdigkeitswerte sogar noch unter denen von Hillary Clinton liegen.

Clinton selbst, als Personifizierung des Washingtoner Establishments, kann sich diesem Sog nicht entziehen. Ihr Umgang mit der Affäre um Regierungs-E-Mails auf einem privaten Computer kostet sie dabei viel Sympathie. Sie führt zwar im demokratischen Lager mit 42 Prozent. Im Mai aber hatten sich noch 66 Prozent der potenziellen demokratischen Wähler zu ihr bekannt. Sowohl Bernie Sanders als Konkurrent mit linkspopulistischen Zügen als auch Vizepräsident Joe Biden, der noch keine Kandidatur erklärt hat, haben dazugewonnen. Sanders kommt auf 24 Prozent, Biden auf 21. Dass Sanders am Ende gegen Hillary Clinton siegen könnte, glaubt in Washington trotzdem niemand: Clinton ist noch immer gesetzt.

Die Republikaner dagegen müssen bald eine Antwort auf Donald Trump finden, damit es nicht am Ende wirklich bei Trump bleibt. Frühe Umfrageführer in der Partei waren in der Vergangenheit meist der spätere Kandidat. Barbara Junge

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