TV-Duell der US-Vizekandidaten : Trump hofft auf Schützenhilfe im Duell der Langweiler

In der Nacht treffen sich die als blass geltenden Vizekandidaten von Donald Trump und Hillary Clinton zum TV-Duell. Die Medien stürzen sich aber auf Trump und seine vermeintlichen Steuertricks.

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Donald Trumps Vizekandidat Mike Pence (links) und Hillary Clintons Kandidat Tim Kaine
Donald Trumps Vizekandidat Mike Pence (links) und Hillary Clintons Kandidat Tim KaineFoto: AFP/Mandel Ngan/Saul Loeb

Nach mehreren Rückschlägen in einer der turbulentesten Wochen im US-Präsidentschaftswahlkampf hofft der republikanische Kandidat Donald Trump auf tatkräftige Schützenhilfe durch seinen Partner und Bewerber um das Amt des Vizepräsidenten, Mike Pence. Der Gouverneur des Bundesstaates Indiana tritt an diesem Dienstag in der „kleinen“ Fernsehdebatte gegen seinen demokratischen Konkurrenten Tim Kaine an, einen Senator aus Virginia, der mit Hillary Clinton ins Weiße Haus einziehen will.

Gemessen an den Persönlichkeiten ihrer Chefs sind Pence und Kaine die reinsten Chorknaben. Pence ist ein frommer Christ, der für seine Bescheidenheit bekannt ist, während Kaine sich selbst als „langweilig“ bezeichnet. Mehrmals bereits hat Pence kontroverse Äußerungen von Trump geraderücken oder relativieren müssen. Anders als Trump hat Pence auch seine Steuererklärung offengelegt. Danach bezahlte er im vergangenen Jahr knapp 9000 Dollar Steuern auf Einnahmen von etwa 113.000 Dollar.

Für europäische Verhältnisse ist das keine große Steuerlast, doch offenbar immer noch größer als die des Multimilliardärs Trump. Seit die „New York Times“ am Wochenende meldete, Trump habe womöglich jahrelang keinen Cent Einkommensteuer bezahlt, ist der Unternehmer in Erklärungsnot. Wegen eines 1995 angezeigten Verlustes von fast einer Milliarde Dollar hatte der schwerreiche Geschäftsmann demnach die völlig legale Möglichkeit, bis zu 18 Jahre lang von der Einkommensteuer befreit zu werden.

Ein Milliardär, der keine Steuern zahlt – das könnte der Grund sein, warum sich Trump standhaft weigert, wie jeder andere Kandidat in den vergangenen Jahrzehnten seine Steuererklärung zu veröffentlichen: Im Wahlkampf präsentiert sich der Milliardär als Kämpfer für die rechtschaffenden Normalbürger, die jedes Jahr brav ihre Steuer entrichten.

Trump hat Fiskus 916 Millionen Dollar Verlust gemeldet

Um zu retten, was zu retten ist, verkaufen Trumps Anhänger die Trickserei als Zeichen für die überragende Intelligenz des Kandidaten. Trump sei ein „Genie“, wenn er es schaffe, 18 Jahre lang keine Steuern zu zahlen, jubelte der frühere New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani. Trump selbst schrieb auf Twitter, er kenne die Steuergesetze besser als jeder andere.

Seine Steuervermeidung ist nicht das einzige Problem für Trump. In mehreren Twitter-Botschaften zog er über eine frühere Schönheitskönigin her und verstärkte damit einen Monat vor der Wahl am 8. November sein Image als Macho, der auf Frauen herabblickt. Außerdem behauptete Trump, er habe die Fernsehdebatte gegen Clinton vergangene Woche klar gewonnen – obwohl selbst Trump-freundliche Beobachter von einer Niederlage sprechen. Auf die nächste Begegnung mit Clinton am 9. Oktober sollte sich Trump gewissenhafter vorbereiten, riet Newt Gingrich, ein früherer republikanischer Präsident des US-Repräsentantenhauses und Trump-Anhänger.

Trump selbst sieht das offenbar anders. Nachdem sich einige seiner Berater in der Presse mit der Bemerkung zitieren ließen, Trumps Fehler in der Debatte seien schockierend gewesen, reagierte der Kandidat mit einer neuen Presseschelte. Die Medien seien gegen ihn, argumentiert er. Außerdem habe sein Mikrofon bei der Debatte versagt. In diesem Punkt bekam er sogar recht: Der Ausrichter der Fernsehdebatten, eine unabhängige Kommission, bestätigte, es habe Probleme mit Trumps Mikrofon gegeben.

Clinton nur 2,5 Prozentpunkte vor ihrem Rivalen

Angesichts der vielen Kontroversen, grenzt es an ein Wunder, dass sich Trump den Umfragen nach wie vor knapp hinter Clinton hält. Laut dem Umfrage-Durchschnitt der Internetseite RealClearPolitics liegt Clinton nur 2,5 Prozentpunkte vor ihrem Rivalen. „Warum hat Hillary nicht 50 Punkte Vorsprung?“ fragte Trump triumphierend auf Twitter. Er ist sicher, dass die Stimmung der meisten Amerikaner für ihn spricht und dass er auf dem Weg zum Sieg ist.

Deshalb setzt er seinen bisherigen Kurs fort und spickt seine Reden und Tweets mit Beleidigungen und persönlichen Angriffen auf die bei den Wählern recht unbeliebte Clinton. Er weiß, dass er damit seine weiß-konservative Anhängerschaft begeistert. Die ehemalige Außenministerin sei möglicherweise verrückt, sagte Trump jetzt bei einer Veranstaltung in Pennsylvania, wie die „Washington Post“ meldete. Außerdem gehöre sie ins Gefängnis, fügte Trump hinzu – das jubelnde Publikum reagierte mit einem Sprechchor, der fest zu Trumps Wahlkampfauftritten gehört: „Sperrt sie ein, sperrt sie ein".

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