TV-Duell : Kampfesmut gegen Chuzpe

Beim TV-Duell in Baden-Württemberg greift SPD-Kandidat Schmid den Atomkurs von Mappus an. Aber die Vorwürfe treffen Mappus nicht, jedenfalls lässt er sich nichts anmerken. Statt dessen greift er selber an.

Stephan Haselberger
Foto: dapd
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Stefan Mappus gegen Nils Schmid, der bullige CDU-Ministerpräsident gegen den feingliedrigen SPD-Spitzenkandidaten, der impulsive Bauchpolitiker gegen den bedächtigen Kopfmenschen – es sind zwei grundverschiedene Politiker, die am Mittwochabend im Studio Eins des Südwestrundfunks zum Fernseh-Duell antreten. Noch vor einem Jahr hätte niemand geglaubt, dass aus der Auseinandersetzung dieser beiden Männer ein Zweikampf mit offenem Ausgang werden könnte. Nun aber muss Mappus fürchten, als Kurzzeit-Ministerpräsident in die Landesgeschichte einzugehen, während die SPD nach fast 60-jähriger CDU-Herrschaft darauf hoffen darf, auch einmal den Regierungschef zu stellen.

Das ist die Ausgangslage, als Mappus und Schmid um 20.30 Uhr an ihren Stehpulten Position beziehen. Umfragen zufolge hat ein Drittel der Baden-Württemberger noch keine Wahlentscheidung getroffen. Vor allem um die Unentschlossenen geht es. Natürlich beginnt das Duell mit der Nuklearkatastrophe in Japan und der Kehrtwende der Union in der Atompolitik. Vor dem GAU hat sich Mappus als besonders streitbarer Verfechter der Kernkraft einen Namen gemacht. Jetzt gibt er den Geläuterten. Die Frage ist nur, ob die Wähler in Baden-Württemberg ihm den Rollenwechsel abnehmen. Ob sie ihm ehrliche Einsicht zubilligen. Oder kalte Berechnung unterstellen. Wenn Mappus die Wahl verlieren sollte, dann wegen mangelnder Glaubwürdigkeit.

Und so gibt sich Schmid alle Mühe, den Ministerpräsidenten in der Atomdebatte zu stellen. Mappus sei bis vor der Katastrophe in Japan der „Cheflobbyist“ der Atomindustrie gewesen, sagt Schmid und fordert den Amtsinhaber auf, einzugestehen, die Risiken der Kernkraft falsch eingeschätzt zu haben. Für die Verhältnisse des SPD-Spitzenkandidaten, der früher einmal Diplomat werden wollte, sind das überaus kämpferische Töne. Aber sie treffen Mappus nicht, jedenfalls lässt er sich nichts anmerken. Statt dessen greift er selber an. Es sei nicht in Ordnung, am Moratorium der Bundesregierung herumzukritisieren, schließlich werde dadurch genau jene Situation herbeigeführt, die Rot-Grün mit dem Atom-Ausstieg beschlossen habe. Derlei Chuzpe hat Schmid wenig entgegenzusetzen. Überhaupt zeigt sich Mappus oft angriffslustiger als sein Herausforderer – egal ob es um Wirtschaft, Arbeit oder Bildung geht. Glaubt man den Kommunikationswissenschaftlern der Universität Hohenheim, dann hat er den Zweikampf zumindest an diesem Abend für sich entschieden. Sie haben das Duell mit 120 Testpersonen verfolgt. Ergebnis: Mappus hat bei seinen Anhängern und bei den Unentschlossenen besser abgeschnitten.

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