TV-Duell zwischen Merkel und Steinbrück : Die Ruhige und der Beruhigte

„Sie kennen mich“, sagt die Kanzlerin an das Fernsehpublikum gewandt. „Sie wissen, wie ich das mache.“ Herausforderer Peer Steinbrück würde mit diesem Satz auch gerne für sich werben. Tut es aber dann doch besser nicht.

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Die Schlussworte sind gesprochen, das Duell ist vorbei. Doch wer hat gewonnen?
Die Schlussworte sind gesprochen, das Duell ist vorbei. Doch wer hat gewonnen?Foto: dpa

Wenn Mitleid nicht die abgefeimteste von allen Methoden wäre, einen angezählten Kämpfer fertig zu machen, dann könnte er einem Leid tun. Der Wahlkampf ist nicht so doll gelaufen bisher, die Umfragewerte sprechen beharrlich gegen ihn, und dann kommt dieses Duell und alle sagen vorher: Das ist deine letzte Chance! Die große Wochenzeitung hat sogar geschrieben, es sei dies „Die letzte Patrone“. Vielleicht stimmt das sogar. Vielleicht hat Peer Steinbrück an diesem Sonntagabend die letzte Gelegenheit, sich vor den Augen von Millionen Zuschauern als Alternative zu der Frau zu präsentieren, die die meisten dieser Millionen alternativlos zu finden scheinen. In drei Wochen wird gewählt – also wann, wenn nicht jetzt?

Die Erwartungen sind jedenfalls allseits hoch. Das Studio G in Adlershof füllt sich am Sonntagabend rasch. In der riesigen Halle, nicht weit vom Duellplatz zwei Studios weiter, sammeln sich die Beobachter und die Sekundanten. „Alles wird gut“, sagt der CDU- General Hermann Gröhe zur Begrüßung und erzählt dann noch, dass seine Kinder den Satz immer mit „... so lange Du wild bist“ ergänzen. Er will das aber keineswegs als Motto des Abends verstanden wissen, CDU-seitig. Wolfgang Schäuble ist da sportlicher. Sie hätten vorher Fanchöre einstudiert, behauptet der Finanzminister, so Sachen wie „Einer geht noch, einer geht noch rein!“

Zuschauer schwenken „Angie“-Plakate, Steinbrück murmelt in sich rein

Die CDU-Fangruppe ist auffallend gut besetzt, ganz anders als beim letzten Mal vor vier Jahren. Damals hat Merkel sich intern mächtig geärgert. Diesmal könnten sie glatt eine Präsidiumssitzung abhalten. Außerdem hat jemand dafür gesorgt, dass draußen vor dem Studio bei der Ankunft der Duellanten die Zuschauer am Straßenrand auf einmal lauter „Angie“-Plakate schwenken. Merkel geht kurz rüber und lässt sich umjubeln. Steinbrück verzieht das Gesicht und murmelt etwas in sich rein, das aussieht wie „So’n Scheiß!“

Die SPD, um das gleich nachzutragen, wird in der Sekundantenhalle im Wesentlichen durch die Generalsekretärin Andrea Nahles und durch Schleswig-Holsteins Ministerpräsidenten Torsten Albig repräsentiert. Albig war einmal der Sprecher des Finanzministers Steinbrück. Der Rest der Spitzengenossen ist in Kreuzberg im „Radialsystem“ beim Public Viewing, also nahe am Wähler. Immerhin spenden die Roten im Saal ihrem Matador immer wieder Szenenapplaus, während von Schäubles schwarzen Fanchor kein Ton zu hören ist.

Pünktlich um halb neun schaltet die Kamera ins Studio B. Man kennt das Bild ja inzwischen: Vier Moderatoren hinter einem Pult, die Duellanten an ihren Pulten vor der neutralen blauen Wand. Keine Vorrede, gleich zur Sache: Herr Steinbrück, warum sind Sie eigentlich nicht der Favorit?

Merkel gegen Steinbrück: Das TV-Duell 2013
Der Herausforderer Peer Steinbrück wird sich diesen Sonntag ins Zeug legen, diesen Trend zu brechen.Weitere Bilder anzeigen
1 von 26Foto: AFP
02.09.2013 07:58Der Herausforderer Peer Steinbrück wird sich diesen Sonntag ins Zeug legen, diesen Trend zu brechen.

Der Kandidat ist noch ein bisschen schmallippig. „Das stellt sich erst noch raus“, gibt er zurück.

Frau Merkel, sind Sie sicher, dass bei Ihnen beim Ankreuzen im Wahl-o-mat CDU rauskäme?

„Ich denke, dass da gut CDU rauskommen kann.“

Die Kanzlerin braucht auch noch bisschen zum Warmwerden. Also, weiter: Frau Merkel, tut Ihnen ihr Herausforderer nicht manchmal leid?

„Das hat Herr Steinbrück doch wirklich nicht nötig, dass er mir leid tut!“

Die beiden haben sich ja wirklich mal recht gut verstanden. Fast auf den Tag vier Jahre ist es her, da saß Steinbrück im blaukarierten Freizeithemd Seite an Seite neben Merkel im Airbus „Konrad Adenauer“ über dem Atlantik und die beiden amüsierten sich wie Drittklässler, die dem Lehrer einen Streich gespielt hatten. Hinter ihnen lag der G-20-Gipfel im amerikanischen Pittsburgh, vor ihnen der Wahlabend. Dem Zusammenspiel zwischen der Kanzlerin und ihrem Finanzminister tat das keinen Abbruch, zur gelinden Irritation der übrigen Staats- und Regierungschefs, die sich Wahlkämpfer irgendwie anders vorgestellt hatten. „Die guckten uns an wie Tiere aus’m Zoo“, feixte Merkel. Und Steinbrück gab bekannt, dass sein Lieblings-Western „Zwei glorreiche Halunken“ sei, woraufhin beide schmunzeln mussten. Sie hatten ja ein ähnliches Duo abgegeben an jenem Sonntagabend auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, als die Kanzlerin und der Finanzminister dem verblüfften Fernsehpublikum verkündeten, dass die Regierung die deutschen Spareinlagen garantiere. Vielleicht hat der Auftritt wirklich verhindert, dass das Banksystem in die Luft flog. Bis heute steht er jedenfalls dafür, dass die große Koalition funktioniert hat, als es darauf ankam, weil wichtige Leute miteinander konnten.

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