TV-Fragestunde von Wladimir Putin : Snowden-Auftritt zieht Kritik auf Twitter nach sich

Edward Snowdens Video-Auftritt in der Fragestunde des russischen Staatschefs Wladimir Putin hat nicht nur positive Reaktionen hervorgerufen. Auf Twitter wurde Snowden sogar als "Putins Pudel" bezeichnet.

Edward Snowden stellte Putin per Video eine Frage.
Edward Snowden stellte Putin per Video eine Frage.Foto: dpa

Der US-Geheimdienstenthüller Edward Snowden hat sich am Donnerstag überraschend bei einer Fernsehfragestunde an den russischen Staatschef Wladimir Putin mit einer Frage zur Überwachung der Bürger gewandt. In einem Video fragte Snowden, ob Russland „die Kommunikation von Millionen Bürgern auf irgendeine Weise abfängt, speichert oder analysiert“.

Putin schien durch die Frage überrascht, sagte dann aber, es gebe keine „Massenüberwachung“ der Bevölkerung, die Geheimdienste würden strikt überwacht.
Snowden fragte zudem, ob Putin es für gerechtfertigt halte, „Gesellschaften an der Stelle von Individuen unter Überwachung zu stellen“, wenn die technischen Möglichkeiten dies erlaubten.

Snowden stellte die Fragen auf Englisch in einem zuvor aufgezeichneten Video, wie sein Anwalt Anatoli Kutscherena der Nachrichtenagentur RIA Nowosti sagte. Dennoch schien Putin nicht zuvor über die Fragen informiert worden zu sein und ließ sie sich von dem Moderator der Sendung übersetzen.

Von Agent zu Agent

Putin antwortete dann, dass die Art der „Massenüberwachung“ der Bevölkerung, wie sie Snowden in den USA aufgedeckt hatte, in Russland undenkbar sei, da die russischen Geheimdienste unter strenger Kontrolle stünden und für die Spähoperationen einen Gerichtsbeschluss bräuchten. Der Präsident, der früher beim sowjetischen Geheimdienst KGB arbeitete, wandte sich an Snowden als einen „früheren Agenten“. Er gab aber auch zu, dass „geeignete moderne Mittel“ zur Verfolgung von Kriminellen und Terroristen eingesetzt würden.

Die Teilnahme Snowdens an der Fragestunde des russischen Staatschefs rief allerdings auch Kritik und Sarkasmus hervor. Auf Twitter unterstellten Snowden einige User, Putin mit seiner Frage eine Vorlage gegeben zu haben und "Marketing" für den russischen Staatschef zu machen. Spiegel-Journalist Jan Fleischauer schrieb auf seinem Twitter-Account: "Hört Russland ab? Antwort Putin: Ja, aber nur mit gerichtlicher Zustimmung. Sternstunden des investigativen Journalismus." Christoph Amend, Chefredakteur des ZEITmagazins bezeichnete Snowden als "Putin's poodle" und fügte hinzu "Poor Snowden".

Der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Snowden hatte im vergangenen Jahr in Russland Asyl erhalten, nachdem er mit seinen Enthüllungen über die weltumspannenden Abhörpraktiken des US-Geheimdienstes NSA weltweit für Furore gesorgt hatte. Die USA wollen Snowden verhaften und ihm den Prozess machen. (Tsp/AFP)

Was Putin in seiner Fragestunde zur Krise in der Ostukraine gesagt hat, lesen Sie in unserem News-Blog.

Das "Guardian"-Video zu Snowdens Auftritt bei Putin

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