TV-Interview : Sarkozy: "Ich habe Fehler gemacht"

Kurz vor Ablauf seines ersten Amtsjahres zieht der französische Präsident Nicolas Sarkozy Zwischenbilanz - in allen großen französischen TV-Sendern gleichzeitig. Er will damit offenbar seinen rasanten Imageverfall beim Volk stoppen: Sarkozy ist inzwischen der unbeliebteste Präsident der letzten Jahrzehnte.

Sarkozy Foto: AFP
Der französische Präsident gibt ein TV-Interview und zeigt sich einsichtig. -Foto: AFP

Paris"Ich habe 55 Reformen angefangen", sagte er zu Beginn seines eineinhalbstündigen Interviews im Fernsehen. Er habe alle Reformen gleichzeitig begonnen, weil die Probleme alle zusammenhingen, fügte er hinzu. Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy gibt aber auch "Fehler" in seiner knapp einjährigen Amtszeit zu. "Bestimmt habe ich nicht genug erklärt, bestimmt habe ich selber Fehler gemacht", sagte Sarkozy am Donnerstagabend in einem ausführlichen Fernsehinterview, das fünf Journalisten im Elysée-Palast mit ihm führten.

Frankreich brauche Reformen, und von ihm als Präsident werde erwartet, dass er einen Wandel herbeiführe. Die Welt habe sich verändert, und Frankreich habe sich "nicht im gleichen Rhythmus angepasst" wie andere, sagte Sarkozy. Wenn man Wachstum, Kaufkraft und Entwicklung wolle, müsse man "auf seine eigene Kraft vertrauen". Er sei durchaus vorbereitet gewesen auf "Enttäuschung, Probleme und Schwierigkeiten".

Der unbeliebteste Präsident seit Jahren

Sarkozy steht in Umfragen nach einem Jahr im Amt so schlecht da wie in den vergangenen Jahrzehnten noch kein französischer Präsident. In einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes CSA war gerade noch einer von vier Befragten der Ansicht, dass Sarkozys Handeln "eher in die richtige Richtung" gehe - rund zwei von drei Franzosen waren demnach der Ansicht, dass er sich "eher in die falsche Richtung" bewege. Etwa genauso viele gaben an, dass der Präsident seine Wahlkampfversprechen nicht einhalte.

Sarkozy habe allerdings auch nicht damit gerechnet, fünf Jahre lang gute Umfragewerte zu haben, fügte er hinzu. Das Interview wird live auf mehreren Sendern übertragen. Die Fragen der fünf Journalisten waren nach Medienberichten vorher weitgehend abgesprochen.

Sarkozy bekräftige, dass Frankreich im Konflikt mit den ausländischen Arbeitern ohne Papiere nicht nachgeben will. "Es kommt nicht in Frage, das wir massenhaft das Bleiberecht gewähren, das führt zu einer Katastrophe", sagte Sarkozy. Auch Spanien und Italien hätten diese Praxis mittlerweile aufgegeben, weil es nur weitere illegale Einwanderer anziehen würde. "Man wird auch nicht Franzose, bloß weil man irgendwo in einer Küche arbeitet", sagte Sarkozy. Staatsbürgerschaft sei an bestimmte Regeln und Verpflichtungen gebunden; wer Franzose werden wolle, müsse sich eingliedern, das Gesetz achten und die französische Sprache lernen. Frankreich bleibe ein "offenes Land", sagte der Staatschef. "Aber wir können nicht alles Elend der Welt bei uns aufnehmen." Er wollte sich nicht dazu äußern, ob die etwa 800 Anträge der derzeit streikenden Arbeiter bevorzugt behandelt werden sollten. (ps/dpa/AFP)

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