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TV-Interview von Melania Trump : "Das war Gerede unter Jungs"

Melania Trump hat sich erstmals zu den sexistischen Prahlereien ihres Mannes Donald geäußert. Es ist der Versuch, das Image des umstrittenen Kandidaten zu retten.

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Beste Sendezeit: Melania Trump im CNN-Interview mit Moderator Anderson Cooper
Beste Sendezeit: Melania Trump im CNN-Interview mit Moderator Anderson CooperFoto: Reuters/CNN Handout

Bisher hat sich Melania Trump im Wahlkampf ihres Mannes zurückgehalten. Doch nun, da der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump wegen sexistischer Äußerungen und Vorwürfen sexueller Belästigung stark unter Druck geraten ist, hat sich Melania zu Wort gemeldet - unter anderem zur besten Sendezeit bei CNN mit Moderator Anderson Cooper und zudem später auch bei Fox.

Die Äußerungen ihres Mannes, er könne Frauen ohne deren Einwilligung küssen und an die Genitalien fassen, da er berühmt sei, hätten sie überrascht. "Das ist nicht der Mann, den ich kenne", sagt Melania bei CNN. Nie zuvor habe sie ihren Mann so reden hören. "Ich habe ihm gesagt, diese Sprache ist unangemessen, unakzeptabel."

Moderator hat Donald "angestachelt"

Die auf dem Video von 2005 zu hörenden Äußerungen tut sie als "boy talk" ab, als "Gerede unter Jungs". "Wenn Jungs heranwachsen, dann reden sie so über Mädchen", sagt Melania. Der inzwischen von seinem Sender NBC gefeuerte Moderator Bill Bush, in dessen Gegenwart Trump sich so abfällig über Frauen geäußert hat, habe ihren Mann angestachelt, solche "schmutzigen Dinge" zu sagen. Es war, als hätten zwei Jungen im Teenageralter miteinander gesprochen, sagt Melania. "Die Kameras waren gar nicht an, nur ein Mikrofon", sagt sie. "Und ich frage mich, ob sie überhaupt wussten, dass da ein Mikrofon an war."

Sie habe ihrem Mann diese Äußerungen verziehen. "Und ich hoffe, das amerikanische Volk tut das auch", sagt sie. "Und das liegt ja auch schon viele, viele Jahre zurück."

Die Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen ihren Mann bezeichnet Melania Trump als "Lügen". "Ich glaube meinem Mann", sagt sie. "Dies ist alles von der Gegenseite organisiert. (...) Sie haben keinerlei Tatsachen." Zuletzt hatten mehrere Frauen Donald Trump sexueller Übergriffe bezichtigt. Er selbst sieht sich als Opfer einer Kampagne der Medien und der Demokraten.

"Ich weiß, dass er Frauen respektiert", sagt Melania Trump. "Er ist rau. Er sagte die Dinge so, wie er sie empfindet."

"Lügen" der Presse

Genau wie ihr Mann wirft Melania der Presse eine Kampagne gegen den republikanischen Kandidaten vor. "Ich hätte nicht gedacht, dass die Presse so unehrlich und gemein sein könnte", sagt sie. Auch über sie habe es noch nicht einen wahrheitsgemäßen Bericht gegeben.

Melania zählt im Interview zahlreiche gute Eigenschaften ihres Mannes auf und betont seinen Kampfgeist. "Er wird nicht aufgeben, er wird bis zum Ende kämpfen", sagt sie.

Für sich selber erwarte sie kein Mitgefühl. "Ich bin stark", sagt sie. "Ich brauche kein Mitleid. Ich kann mit allem umgehen."

Als First Lady wolle sie sich um Kinder kümmern und sie vor den negativen Folgen sozialer Medien schützen, sagt Melania Trump. Mobbing im Internet sei schädlich. Sie selber nutze seit eineinhalb Jahren keine sozialen Medien mehr. Ihr Mann dagegen ist bekannt für den üppigen Gebrauch etwa von Twitter, wo er oft Tiraden gegen seine Gegner publiziert. "Mein Mann ist erwachsen, er kennt die Konsequenzen", sagt sie dazu.

Peinliche Rede im Juli

Der Auftritt Melania Trumps kommt wenige Tage nach einer fulminanten Rede von First Lady Michelle Obama gegen Donald Trump. Die Frau des US-Präsidenten hatte darin sexuelle Belästigung von Frauen angeprangert und Donald Trump vorgeworfen, Frauen als Freiwild zu betrachten. "Genug ist genug", rief Michelle Obama. Melania Trump verteidigt dagegen ihren Mann - und verharmlost dessen sexistische Äußerungen als Teenager-Gerede.

Ob das Interview seiner Frau Donald Trump in der Schlussphase des Wahlkampfs und wenige Tage vor der dritten TV-Debatte mit Hillary Clinton nützt, bleibt abzuwarten.

Schon einmal hat Melania Trump im Vergleich zu Michelle Obama schlecht abgeschnitten. Beim Parteitag der Republikaner im Juli hatte sie wesentliche Teile ihrer Rede von einer Rede der First Lady aus dem Jahr 2008 übernommen. Die Folge war eine Plagiatsaffäre. (Tsp)

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