Politik : TV-Streik in Prag: Direktor im Hospital

Der seit zwei Wochen unter Druck stehende Direktor des tschechischen Fernsehens, Jiri Hodac, hat am Donnerstag offenbar einen Herzanfall erlitten. Der 53-Jährige sei mit Blaulicht ins Krankenhaus eingeliefert worden, sagte die Chefin der TV-Nachrichten Jana Bobosikova. Es handle sich "mit großer Wahrscheinlichkeit" um einen Herzanfall. Gegen Mittag hieß es allerdings, sein Zustand sei stabil.

Der Führungsstreit um das Staatsfernsehen soll nun vom Parlament beigelegt werden. Es will bereits in der nächsten Woche ein neues Mediengesetz verabschieden. Dieses sieht eine Neubesetzung und Entpolitisierung des Medienrates vor, der den Direktor des Fernsehens ernennt. Es gilt als sicher, dass Jiri Hodac danach abgelöst wird. Unterdessen verstärken sich Anzeichen, dass sich der Fernsehstreit auf die tschechischen EU-Beitrittsverhandlungen auswirken kann. Der ständige EU-Vertreter in Prag, der Spanier Ramiro Cibrian, brachte am Donnerstag in einem Gespräch mit dem stellvertretenden Außenminister Pavel Telicka seine Besorgnis zum Ausdruck. Die EU prüfe, ob in Tschechien eine freie Berichterstattung gewährleistet sei, hieß es.

Am Mittwochabend hatte Kulturminister Pavel Dostal angekündigt, er werde Hodac wegen der Unterbrechung von Nachrichtensendungen verklagen. Er hatte eine von den streikenden Redakteuren vorbereitete Nachrichtensendung unterbrechen lassen, in der Dostal ein Interview gab.

Nachdem am Mittwoch mehrere zehntausend Menschen für den Rücktritt von Hodac demonstriert hatten, habe sich Ministerpräsident Milos Zeman den Forderungen angeschlossen, berichtete die Zeitung "Pravo" am Donnerstag. In der gleichen Ausgabe wurde Hodac damit zitiert, dass er keinesfalls zurücktreten werde. Parlamentspräsident Vaclav Klaus warf Staatspräsident Vaclav Havel im Rundfunk vor, er wolle die Krise zu eigenen Zwecken missbrauchen. Vorwürfe, wonach ihm Hodac politisch nahe stehe, wies Klaus zurück.

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