Twitter-Kommunikation : USA blasen zur Jagd auf Wikileaks

Der Kurznachrichtendienst Twitter soll Kontodaten von Wikileaks-Unterstützern preisgeben. Der Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks, Julian Assange, spricht von einem Angriff auf die Menschenrechte.

Beteiligt. Der Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet die von Wikileaks gesammelten Daten. Dieses Bild entstand am Sonntag in Singapur. Foto: Tim Chong/Reuters
Beteiligt. Der Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet die von Wikileaks gesammelten Daten. Dieses Bild entstand am Sonntag in...Foto: Tim Chong/Reuters

Washington/London - Die USA verstärken die Verfolgung der Enthüllungsplattform Wikileaks: Die Justizbehörden versuchen, über den Kurznachrichtendienst Twitter an Informationen über Wikileaks und deren Gründer Julian Assange zu kommen. Ein Bundesgericht in Virginia forderte das Netzwerk auf, weitreichende Informationen über Kommunikation in Verbindung mit Wikileaks den Behörden zu übergeben, wie am Wochenende bekannt wurde.

Wikileaks-Mitarbeiter vermuten nach einem Bericht der britischen Zeitung „The Guardian“, dass auch Google und Facebook ähnliche Anweisungen erhalten haben könnten und forderten die Internetdienste auf, Auskunft darüber zu geben. Die US-Behörden versuchen zwar seit längerem, gegen Wikileaks vorzugehen, weil der Regierung die Enthüllungen von Diplomatendepeschen sowie Militärberichten über die Kriege im Irak und in Afghanistan ein Dorn im Auge sind. Experten geben aber auch zu, dass konkrete juristische Schritte schwierig sind. Vor allem ein Vorgehen wegen Spionage sei kompliziert, heißt es.

Wikileaks und Julian Assange
"Don't shoot the messenger" - oder gehört Assange endlich nach Schweden ausgeliefert, um sich in einem rechtsstaatlichen Verfahren den Vorwürfen sexueller Übergriffe zu stellen? Foto: dapdWeitere Bilder anzeigen
1 von 54Foto: dapd
16.08.2012 14:48"Don't shoot the messenger" - oder gehört Assange endlich nach Schweden ausgeliefert, um sich in einem rechtsstaatlichen Verfahren...

 Wikileaks-Gründer Julian Assange sieht in dem Schritt der USA nach einem Bericht des Senders BBC einen Angriff auf die Menschenrechte und eine „Bedrohung“. „Wenn die iranische Regierung versuchen würde, solche Informationen über ausländische Journalisten oder Aktivisten zu erzwingen, würde es einen Aufschrei von Menschenrechtsgruppen aus der ganzen Welt geben“, sagte er. Assanges Londoner Anwalt Mark Stephens sagte der BBC, die US-Regierung versuche, die Menschen einzuschüchtern. Die Forderungen seien nicht juristisch, sondern politisch motiviert.

Das Gericht soll Informationen über Namen, Adressen, Netzwerk-Verbindungen, Telefonnummern und finanzielle Details von Wikileaks-Unterstützern angefordert haben. Zu den Personen, an denen die Behörden interessiert sind, gehört neben Assange auch eine Parlamentsabgeordnete aus Island, Birgitta Jonsdottir. Diese sagte dem „Guardian“, sie sehe ihre Persönlichkeitsrechte in Gefahr. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP ergänzte sie, die zuletzt auf Distanz zu Assange gegangen war, sie sei im Kontakt mit US-Anwälten. Außerdem habe sie den isländischen Justizminister unterrichtet und wolle sich mit dem US-Botschafter in Reykjavik treffen.

Das Gericht in Alexandria bei Washington verlangt auch Informationen über Twitter-Kommunikation, die den US-Gefreiten Bradley Manning betrifft. Er steht im Verdacht, Geheimdokumente an Wikileaks weitergegeben zu haben. Manning sitzt derzeit in Virginia in Haft. Der Kurznachrichtendienst Twitter wollte sich zu dem Fall zunächst nicht äußern und teilte laut BBC lediglich mit, man informiere die Nutzer über sämtliche Rechtsschritte, sofern das juristisch möglich sei.

 Assange wird derzeit in Großbritannien festgehalten, ist aber gegen Kaution auf freiem Fuß. Schweden fordert seine Auslieferung wegen mutmaßlicher sexueller Vergehen. Zugleich bemüht sich die US-Regierung um den Schutz von Menschenrechtlern, Dissidenten und Politikern, die durch veröffentlichte US-Depeschen durch Wikileaks bloßgestellt worden seien. Die USA hätten weltweit etwa eine Handvoll Personen in autoritären Staaten vor möglichen Repressionen in Sicherheit gebracht, gab das Außenministerium in Washington bekannt. dpa/AFP

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

18 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben