Politik : U-Boot-Unglück: Strahlende Gefahr auf dem Meeresgrund

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Wie viele Atom-U-Boote jemals gesunken sind, ist unbekannt. Offizielle Statistiken gibt es nicht, und die Militärs hüllen sich in Schweigen. Nach Angaben der norwegischen Umweltorganisation Bellona sind bis heute sieben Unfälle bekannt, in deren Folge U-Boote sanken und seitdem auf dem Meeresboden verrotten. Dabei handelt es sich um zwei amerikanische und fünf russische Schiffe, einschließlich der vor elf Tagen gesunkenen "Kursk". Die Hebung des Bootes und seine Entsorgung an Land gilt für Bellona als wünschenswertes Szenario. Doch das ist teuer und ohne westliche Hilfe wahrscheinlich nicht zu leisten.

Das niederländische Bergungsunternehmen Wijsmuller Salvage B.V. hält nun die Bergung des Wracks der "Kursk" in der Barentssee grundsätzlich für möglich. Der Hauptgeschäftsführer des Unternehmens, Daan Koorneef, sagte am Dienstag, die Bergung sei vom Grad der Beschädigung des U-Bootes abhängig. "U-Boote sind so konstruiert, dass sie leicht auftauchen können, wenn sie unbeschädigte Lufttanks haben." Bei der havarierten "Kursk" müsse festgestellt werden, welche Lufttanks noch intakt seien und wieder mit Luft gefüllt werden könnten.

Mit Sicherheit müsse ein starker Schwimmkran am Unglücksort verfügbar sein, sagte Koorneef. Sollten keine oder nicht mehr genügend Tauchtanks zur Verfügung stehen, die man ausblasen könne, werde es schwieriger, die 18 000 Tonnen zu heben. Weil U-Boote jedoch sehr stabil gebaut seien, müssten noch Tanks intakt geblieben sein, vermutet der Chef des Bergungsunternehmens. Ein Zerlegen des Wracks dürfte nach seiner Einschätzung problematisch sein. Er gehe davon aus, dass es sich um sehr hartes Metall, möglicherweise Titan, handele. Dies sei unter Wasser nur schwer zu durchtrennen.

Besondere Risiken für die Bergungsarbeiten durch die beiden Atomreaktoren an Bord des Wracks sieht Koorneef derzeit nicht. "Bisher gibt es keine Anzeichen, dass die Reaktoren nicht mehr dicht sind," so der Bergungsexperte.

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