Politik : U-Boot-Unglück vor Hawaii: US-Kommandant gesteht seine Schuld ein

Der Kommandant des amerikanischen Marine-U-Boots "Greeneville", Scott Waddle, hat am Dienstag überraschend die Verantwortung für den Zusammenstoß mit einem japanischen Fischerei-Schulschiff übernommen. Vor einem Untersuchungsausschuss der Marine sagte Waddle, es tue ihm aufrichtig Leid um den Verlust von Menschenleben. Das von Waddle kommandierte U-Boot hatte am 9. Februar während eines Auftauchmanövers vor der Küste von Hawaii den japanischen Trawler "Ehime Maru" gerammt. Dabei kamen neun Menschen ums Leben, unter ihnen vier Schüler.

"Ich nehme die volle Verantwortung und Schuld für die Handlungen der Besatzung auf mich", verlas Waddle vor dem Tribunal auf Hawaii. "Als leitender Offizier bin ich alleine für diesen wahrhaft tragischen Unfall verantwortlich, und für den Rest meines Lebens werde ich mit den schrecklichen Konsequenzen meiner Entscheidungen und Handlungen leben." An die Angehörigen der Opfer gerichtet sagte Waddle, es tue ihm aufrichtig Leid um die endlose Trauer der Familien. Er sei bereit, die Konsequenzen zu tragen.

In seiner Rede verteidigte Waddle auch seine Entscheidungen und Handlungen am Unglückstag. "Ich habe meinen Dienst so gut getan wie ich konnte", beteuerte Waddle. "Die Fehler, die ich gemacht habe, waren ehrlich." Waddle hat es nach Auffassung des Tribunals versäumt, die Wasseroberfläche gründlich mit dem Sehrohr absuchen zu lassen. Dadurch habe er den Kutter übersehen. Ein Fähnrich des U-Bootes hatte vor dem Ausschuss am Montag ausgesagt, er habe einen Befehl missachtet, Schiffe in der Nähe der "Greeneville" seinen Vorgesetzten zu melden. Ein Marineermittler hatte zuvor über zahlreiche Missstände an Bord des U-Boots berichtet. So hätten wichtige Instrumente nicht funktioniert, der Kommandostand sei durch zivile Gäste überfüllt und das U-Boot in seinem Zeitplan verspätet gewesen. Zudem könne der Führungsstil des Kommandeurs dazu geführt haben, dass seine Untergebenen ihn nicht über Probleme an Bord informiert hätten.

Urspünglich wollte Waddle die Aussage verweigern, da die Marine ihm die Immunität in künftigen Strafverfahren verweigert hatte. Auch Waddles Anwalt hatte ihm dazu geraten. Nun droht ihm der Prozess vor einem Militärgericht.

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