Politik : UCK will sich nun als politische Kraft etablieren

PRISTINA (AFP). Mit ihrer Verpflichtung zur Entmilitarisierung hat die Kosovo-Befreiungsarmee (UCK) ihren Anspruch bekräftigt, zur anerkannten politischen Kraft im Kosovo zu werden. 1992 mit finanzieller Unterstützung aus der albanischen Diaspora im Ausland gegründet, gab sich die Untergrundorganisation erst 1995 mit dem Bekenntnis zu einem Anschlag auf einen serbischen Polizeiposten zu erkennen. Zunächst galt sie ausschließlich als bewaffneter Arm der albanischen Unabhängigkeitsbewegung im Kosovo. Für die Führung in Belgrad sind die Kämpfer "Terroristen".

In der Öffentlichkeit zeigten sich UCK-Kämpfer erstmals im November 1997 beim Begräbnis eines Kosovo-Albaners, der von serbischen Polizisten getötet worden war. Damals schworen bewaffnete Männer, den Kampf für die Befreiung des Kosovo fortzusetzen. Ihren Krieg finanzieren sie vor allem mit Geld aus den kosovo-albanischen Gemeinschaften in Westeuropa, vornehmlich aus Deutschland und der Schweiz. Über Albanien werden Waffen ins Land geschleust.

Die Entmilitarisierung der UCK wird in der am 10. Juni verabschiedeten Resolution des UN-Sicherheitsrates gefordert. Die Untergrundarmee hatte schon im Abkommen von Rambouillet im März die Entmilitarisierung zugesagt, vor Ort jedoch den bewaffneten Kampf gegen die Serben fortgesetzt. Noch im April gab die UCK an, 40 Prozent der Provinz zu kontrollieren, ihre Bastion ist die Region Drenica im Innern der Provinz. Bei den serbischen Offensiven zwischen Februar und Oktober 1998 und noch mehr seit Kriegsbeginn mußte die Befreiungsarmee allerdings Verluste hinnehmen. Im Mai wurde daraufhin Agim Ceku zum neuen Generalstabschef ernannt.

Nach Angaben der Nato erreichte die UCK zuletzt die Struktur und Bewaffnung einer mordernen Armee. Nach westlichen Angaben gehören ihr 15 000 Kämpfer an, die UCK selbst spricht von 30 000. Der Westen betrachtete die zunehmende Stärke der UCK zuletzt mit Sorge: Während des Abzugs der Serben aus der Provinz versuchte die UCK das Machtvakuum vor dem Eintreffen der Kosovo-Friedenstruppe (KFOR) direkt zu nutzen. Sie besetzte Verwaltungseinrichtungen in Prizren und Pristina. Kämpfer patrouillierten schwer bewaffnet durch die Straßen und lösten damit die Flucht von 50 000 Serben aus.

Nach der Zustimmung zur Entmilitarisierung dürfte die UCK nun versuchen, sich als politische Kraft im Kosovo durchzusetzen. Den bisherigen "Präsidenten" der Kosovo-Albaner, den gemäßigten Ibrahim Rugova, erkennt sie nicht an. Statt dessen tritt seit April der UCK-Vertreter Hashim Thaci als Regierungschef der Kosovo-Albaner auf. Er unterzeichnete sowohl den Abkommensentwurf von Rambouillet als auch die Verpflichtung zur Entmilitarisierung.

"Die UCK hat gekämpft, um das zu erreichen, was heute erreicht wurde", erklärte Thaci an diesem Montag. Sie verpflichte sich, die Menschenrechte "ohne Ansehen der ethnischen Zugehörigkeit" zu respektieren.

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