Politik : Übelkeit und Schuldgefühle

Opfer von Attentaten brauchen schnelle psychologische Hilfe

Alexander Visser

Die Malmzone ist tödlich. So nennen Experten den Bereich, in dem nach einer Bombenexplosion keine feste Materie mehr existiert. Bei dem Terroranschlag von Mombasa konnte die Polizei bisher keine Überreste der drei Selbstmordattentäter finden. Wer weiter entfernt getroffen wird, hat eine Überlebenschance. Doch wer „nur“ verletzt wird, hat nicht nur mit äußerlichen Verletzungen zu kämpfen. Die psychischen Wunden sind mindestens genaus so tief. Aber erst in letzter Zeit kümmern sich die Einsatzkräfte auch vermehrt um die seelischen Probleme der Opfer. Denn wer die Erfahrungen eines Terroraktes nicht zu bewältigen lernt, leidet oft jahrelang an den Folgen.

In der ersten Schockphase werden Betroffene oft von Übelkeit, Krämpfen, Schweißausbrüchen und Schwindelgefühlen geplagt. Auch Schuldgefühle können auftreten. Später leiden die Opfer unter Angstattacken, Schlaflosigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen oder Lähmungserscheinungen. „Es ist entscheidend, dass den Betroffenen gesagt wird, dass das ganz normale Reaktionen auf eine abnormale Situation sind“, sagte Bernd Domres am Donnerstag in Berlin. Auf einer Tagung des Arbeiter-Samariter-Bundes berichtete der Tübinger Chirurg über seine Auslandseinsätze in Katastrophengebieten. Seine Erfahrung zeigt, dass sich chronische „posttraumatische Belastungsstörungen“ vermeiden lassen, wenn sich Betreuer möglichst früh um die psychischen Folgen des Terrors kümmern.

Nach traumatischen Ereignissen sind Domres zufolge nur zehn bis 30 Prozent der Betroffenen in der Lage, ruhig zu bleiben und anderen zu helfen. Die Mehrheit reagiert wie gelähmt oder konfus und überaktiv. Bis zu ein Viertel der Betroffenen bedarf psychologischer Hilfe, ein bis drei Prozent der Menschen drohe ein Zusammenbruch.

Das Auswärtige Amt will der Opferbetreuung in Zukunft größere Aufmerksamkeit widmen. Das auch bei Attentaten im Ausland zuständige Krisenzentrum hat eine psychosoziale Arbeitsstelle geschaffen. Opfer und Hinterbliebene des Attentats von Djerba hatten mehrfach über mangelhafte Betreuung geklagt.

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