Über Gilad Schalit : Türkei und Israel kommen sich näher

Das türkische Engagement im Fall Schalit nährt Hoffnungen auf ein Ende der Eiszeit mit Israel - noch im September wurde der israelische Botschafter aus seiner Botschaft in Ankara geworfen.

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In israelischer Uniform: 19 Jahre alt und Wehrpflichtiger war Gilad Schalit, als er am 25. Juni 2006 von Hamas-Aktivisten während eines Angriffs auf einen israelischen Militärstützpunkt am Rande des Gazastreifens verschleppt wurde. Während seiner Gefangenschaft durfte er nur drei Briefe, eine Audio- und eine Videobotschaft an seine Familie übermitteln. Seit Anfang Oktober 2009 fehlt jedes Lebenszeichen von ihm.Alle Bilder anzeigen
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12.10.2011 22:06In israelischer Uniform: 19 Jahre alt und Wehrpflichtiger war Gilad Schalit, als er am 25. Juni 2006 von Hamas-Aktivisten während...

In seinen öffentlichen Äußerungen zählt der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan zu den schärfsten Kritikern Israels auf der internationalen Bühne. Erst in der vergangenen Woche bezeichnete er den jüdischen Staat als Bedrohung für den ganzen Nahen Osten. Hinter den Kulissen ist Erdogans Haltung aber offenbar wesentlich pragmatischer. Wie türkische und israelische Politiker bestätigen, engagierte sich Erdogan persönlich in den Verhandlungen für eine Freilassung des israelischen Soldaten Gilad Schalit. Nun regt sich die leise Hoffnung, dass der Fall ein Ende der Eiszeit zwischen Türkei und Israel einleiten könnte.

Vor fünf Jahren erregte Erdogans Regierung Aufsehen, als sie eine Delegation der vom Westen als Terrorgruppe eingestuften Hamas-Organisation nach deren Wahlsieg nach Ankara einlud. Erdogan äußerte erst vor wenigen Wochen den Wunsch, den von der Hamas regierten Gaza-Streifen zu besuchen. Auch die Hilfsorganisation IHH, die im Mai 2010 den von Israel angegriffenen Schiffskonvoi nach Gaza organisierte, unterhält gute Kontakte zur Hamas.

Seit Schalits Gefangennahme durch Hamas-Kämpfer 2006 nutzte die Türkei offenbar immer wieder ihre guten Verbindungen zu der radikalen Palästinenser-Organisation, um sich für die Freilassung des Mannes einzusetzen. Außenminister Ahmet Davutoglu erklärte jetzt, die Türkei sei in die Verhandlungen eingebunden gewesen und habe sich auch als Bote betätigt, etwa bei der Übermittlung von Informationen zu Schalits Gesundheitszustand. Bei allem Eigenlob beeilte sich Davutoglu gleichzeitig, den Ägyptern den Löwenanteil am Erfolg der Bemühungen zuzusprechen.

Erdogan soll erst vor wenigen Monaten versprochen haben, sich persönlich in den Fall einzuschalten, nachdem er einen Brief von Schalits Vater Noam erhalten hatte. Das Engagement Erdogans sei für ihn eine positive Überraschung gewesen, lobte der israelische Staatspräsident Schimon Peres. Die Türken hätten die Krise zwischen beiden Ländern hintangestellt und sich ganz auf den humanitären Fall Schalit konzentriert.

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